Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford…

… ist ein großartiger Film, der allerdings hohe Ansprüche an die Geduld stellt.

Mit seinen ca. 160 Minuten Laufzeit, seinem beklemmenden Ambiente, seinen spröden Dialogen und dem an dramatischen Geschehnissen auf den ersten Blick eher kargen, unsteten Handlungsverlauf verlangt DEdJJddFRF (darauf hab ich mich die ganze Zeit gefreut) dem Zuschauer einiges an Gelassenheit und Belastbarkeit ab. Wäre da nicht der absurd lange, ebenfalls die Maxime des Mainstreams ignorierende Titel – man könnte sich bis weit ins Geschehen hinein fragen, was dieser Film denn nun erzählen will.

Dennoch: Das Durchhaltevermögen wird belohnt. Allein die Optik zieht einen in ihren Bann, die Einstellungen und visuellen Stilmittel rangieren von malerisch bis magisch, von authentisch bis artifiziell, und wirken dabei doch niemals aufgesetzt oder “gewollt”.

Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man mit Western etwas anfangen kann. Die Inszenierung bewegt sich deutlich jenseits dessen, was man von den handelsüblichen Vertretern des Genres gewohnt ist. Wenn überhaupt, dann weckt DEdJJddFRF (muahaha) Erinnerungen an DEAD MAN oder ERBARMUNGSLOS.

Die beiden Hauptdarstellter, Brad Pitt (JJ) und Casey Affleck (RF) vollführen einen emotional höchst fesselnden Tanz zwischen den Extremen und reißen den Zuschauer wiederholt von Sym- zu Antipathie und zurück, bis dieser beinahe ebenso (innerlich) zerissen ist wie die Protagonisten. Dadurch gewinnt die Mär über Verrat, Vertrauen und Verfolgungswahn, über Einsamkeit, Verehrung, Neid und Reue erst die Kraft, die diesen Film zu einem so besonderen Erlebnis macht.

Den Gastauftritt von Nick Cave am Ende hätte man sich meiner Ansicht nach sparen können, gerade angesichts der Leistung von Pitt, frühere Rollen im Verlauf des Films beinahe vergessen zu lassen, fällt dieser Celebrity-Tupfer als Verfremdungseffekt eher negativ auf und aus dem Rahmen.

Eine kraftvolle Botschaft, durch starke Schauspieler, faszinierende Bilder und einen gelungenen Schlusskommentar auf unterschwellige Weise – vor allem aber effektiv – vermittelt. Mit sattelfestem Sitzfleisch ein erinnerungswürdiges Erlebnis.


TM, 26.03.2008