Ein Fazit gleich vorweg: mau. Sehr, sehr mau. Nutzen wir also die Zeit, die nötig ist, diesen Beitrag zu schreiben bzw. zu lesen, zunächst für ein paar grundsätzliche Gedanken.
Die Schnittmenge der Genres „Kinderfilm“ und „Animationsfilm“ ist, bedingt durch die aktuellen Beispiele mit internationaler Relevanz, sehr groß. So groß, dass man sich das eine derzeit kaum noch ohne das andere vorstellen kann. Eine der Herausforderungen an einen Animationsfilm(emacher) besteht demnach darin, das erwachsene Publikum ins Kino oder vor den Fernseher zu locken, denn die Zielgruppe „bis 6 Jahre“ ist in der Regel nicht zahlungskräftig genug. Um aber Eltern oder Animationsfilmfreunde zu interessieren, braucht man in der Regel mehr als knuddelige Protagonisten.*
Diese Erkenntnis, wenn sie überhaupt so stattgefunden hat, resultierte vor einigen Jahren in ein paar Blockbustern, die ihre kindgerechte Kernhandlung mit zahlreichen Anspielungen auf die (zum Zeitpunkt des Kinostarts) gegenwärtige Popkultur anreicherten. Im Schlepptau des Erfolgs dieser Wegbereiter folgte sie unvermeidliche Schwemme an Imitatoren, der es in letzter Zeit immer effektiver gelang, statt Amüsement wachsenden Unwillen hervor zu rufen. Allmählich hat der auf derlei Referenzen basierende Humor gute Karten, die „bullet time“ der kommenden Jahre zu werden.
Während der vorgestern gelobte KUNG FU PANDA derlei abgenutzte Gimmicks vermied, erklärt MADAGASCAR 2 genau diese Späße zur Kernkompetenz. Die Folge ist eine dichte Aneinanderreihung überdrehter Kalauer, die von äußerlich wie charakterlich plump gezeichneten Protagonisten ohne jegliches Gespür für Timing zum Besten gegeben werden. Zwischendrein bollern fortwährend nervtötende Rhythmen und Partylieder vor sich hin, der bereits aus dem ersten Teil bekannte Haupttrack „I like to move it“ wurde zu allem Überfluss gleich mehrfach wiederverwendet.
Wie so oft lässt sich an den verschenkten Gelegenheiten am Besten erkennen, wie schlecht ein Film tatsächlich ist. Der Versuch, die allseits beliebten Mafia-Pinguine auszubauen, gleicht einem selbstgefälligen Onkel, der fortwährend von seinen Urlaubs-Liebschaften erzählt, und der Subplot über die im Dschungel verlorenen New Yorker steht im tiefschwarzen Schatten des unlustigsten, nervigsten Charakters dieses Films: der aggressiven Großmutter.
Als Folge davon gehen gut zwei Drittel der Witze gnadenlos baden. Zusätzlich ist der Film in seiner Manipulation selbst für Kinderfilmverhältnisse extrem durchschaubar. So fällt beispielweise auf, wie fortwährend Tierbabys eingestreut werden, um Sympathie beim Zuschauer hervor zu rufen. Das ist nicht nur wirklich, wirklich lahm, es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie die Macher ihr Publikum einschätzten. Dass sie damit richtig liegen mögen, und man MADAGASCAR 2 einen ruhigen Lebensabend in den DVD-Regalen von Dünnbrettbohrern jeder Klasse prophezeien kann, sei ihnen gegönnt. Das ist nicht nett, aber naheliegend. Erfolg gibt Recht, macht Kot zu Gold, aber etwas Mieses noch lange nicht gut.
MADAGASCAR 2 ist eine Imitation seiner selbst, ein uninspiriertes, hysterisches Machwerk, dass nur den schlichtesten Gemütern gefallen wird.
Oder Kindern mit ADS.
* Okay, in erster Linie benötigt man ein hohes Budget für eine umfassende Werbekampagne. Geschenkt.