Beigeistert hatte Ang Lees 2003er Interpretation des Unglaublichen kaum jemanden. Man darf behaupten: Die Meisten haben ihn gehasst. Die für einen Actionknaller zu kopflastige Story sowie die cartoonige Inszenierung fanden beim Großteil des Publikums keinen Anklang. Louis Leterriers ging nun bei seinem Hybrid aus Sequel und Neuinterpretation einen völlig anderen Weg. Wirklich besser ist der aber auch nicht.
Nachdem die Entstehungsgeschichte schon im Vorspann vollständig abgehandelt wird, konzentriert sich der Film ausschließlich auf die Hetzjagd des Militärs auf den flüchtigen Bruce Banner. Wie es sich für einen Sommer-Blockbuster gehört, jagt dabei eine Actionsequenz die Nächste. Schnell fällt auf: Nach TRANSFORMERS und Co reichen passable Effekte und ein glaubwürdiger(er) Hulk nicht aus, den Wow-Faktor in nennenswerte Höhen zu katapultieren.
Während die Materialschlacht dessen ungeachtet mäßigen Spaß macht, wird es in den Atempausen schlichtweg dröge. Zwar gelingt es Norton, der Figur Banner durch seine Ausstrahlung eine gewisse menschliche Wärme zu verleihen, das macht sie deshalb aber noch nicht interessant. Liv Tyler als seine alte Flamme und Tochter des fiesen Generals darf in sämtlichen Szenen bloß tief betroffen dreinblicken und hat entsprechend das Profil einer frisch aufgespritzten Lippe. Das einzige Zugeständnis an ihre Rolle als Wissenschaftlerin besteht darin, dass Sie beim Auto fahren eine Brille trägt. Wo sie in THE STRANGERS erfrischend authentisch wirkte, ist sie hier lediglich ein Mittel zum Zweck, den Hulk zu motivieren, das zu tun, wonach dem Drehbuch gerade der Sinn steht. Unnötig zu sagen, dass dies recht schnell zu langweilen beginnt. William Hurts Rolle besteht in erster Linie aus einem Dutzend One-Linern und seinem Schnurrbart – die nächste Verschwendung von Talent, Tim Roth leistet als Bösewicht Ähnliches wie Norton: Er gibt der Rolle die Glaubwürdigkeit, die das Drehbuch eklatant vermissen lässt, kann sie dadurch aber nicht retten. Er darf nicht einmal richtig böse sein, denn obwohl die Videothekenfassung ab 16 Jahren freigegeben ist, wundert man sich nicht, wie der Film für die deutschen Kinos auf eine FSK 12 Freigabe gebracht werden konnte.
Mag sein, dass ein Teil der eingangs erwähnten Mängel den umfangreichen Kürzungen zuzuschreiben ist, die angeblich vorgenommen wurden. Wie die Langfassung, die Norton gerüchteweise beim Studio durchboxen wollte, ausgesehen haben mag, werden voraussichtlich lediglich Besitzer der Bonusmaterial-lastigen Blue-ray-Version erfahren. Nortons uninspirierte Performance erklärt dies jedoch nicht, genauso wenig wie die blassen Auftritte der übrigen Darsteller, von der vollkommen fehlenden Chemie zwischen Tyler und Norton ganz zu schweigen.
Man vermisst demnach zwei Stunden lang sowohl Charme als auch Atmosphäre und Charakter. Viel wird angedeutet, ohne weitergeführt zu werden, wobei sich angesichts des uninspirierten Plots bald der Gedanke aufdrängt, man wäre mit den übergangenen Elementen besser aufgehoben gewesen. Als Beispiel (leichter Spoiler!) sei hier der Rentner angeführt, der versehentlich einen Tropfen von Banners Blut trinkt und das Militär so wieder auf die Spur des Hulk bringt. Das Aufheben, das Banner um sein Blut macht, legt den Gedanken nahe, dass dem Opfer mehr als nur ein rasches Ableben geblüht haben mag, dieser potentielle Subplot versandet aber ungenutzt. Wenn der Film eine Stärke hat, dann das bei der Kampfdichte kaum Zeit bleibt, sich über solche verpassten Chancen zu ärgern. So gesehen ist der Cameo-Auftritt am Ende, der Ausblick auf eine interessantere Zukunft bietet, noch das Beste an diesem Film.
Unter dem beliebten Strich lässt sich sagen: Der neue HULK sieht optisch glaubwürdiger aus als sein Vorgänger, verliert aber im Vergleich mit vielen seiner anderen Konkurrenten. Wer IRON MAN mochte oder Fan des Franchise ist, wird vielleicht wenig Grund finden, sich zu beschweren, sollte sich aber trotzdem besser auf die holprige Erzählweise und die gefühlten Unvollständigkeiten einstellen.
Kurzweilige Unterhaltung, für einen Abend vor dem Fernseher in Ordnung, aber bestenfalls die Verleihgebühr wert.