Eden Lake.

edenlakeImmer, wenn man denkt, es geht nicht mehr … schaut man sich trotzdem wieder sowas an. Zumindest als Genrefan, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und da erwiesenermaßen auch meine Lernfähigkeit diesbezüglich lachhaft ist, sparen wir uns heute einfach mal die üblichen Beschwerden und kommentieren diesen Film so, wie er es verdient. Das bedeutet in der Praxis, keine Schwächen zu kritisieren, an denen die Macher überhaupt kein Interesse  hatten, zum Beispiel mangelnde Innovation und Substanz in Bezug auf Handlung und Charaktere.
Here we go…

EDEN LAKE ist gut für das, was er sein möchte: ein harter, kompromissloser Slasher. Dabei reiht er sich sauber in jene Subgattung moderner Horrorfilme à la THE STRANGERS oder REC ein, die dem Zuschauer jegliche Katharsis verweigern. Wo klassische Grusel- oder Rachefilme in der Regel entweder a) ein halbwegs versöhnliches Ende aufweisen oder b) den Protagonisten nach der emotionalen, physischen und moralischen Dekonstruktion die Oberhand gewinnen lassen, dauert der Terror hier bis zu den Closing Credits an. Kein Happy End, keine Versöhnung, keine Gerechtigkeit. Zuschauer, die spannende Unterhaltung und eine seelische Darmspülung erwarten – durchaus innerhalb des Leistungsspektrums dieser Gattung Film -  tappen bleich und still aus dem Kinosaal, den nur noch echte Gorehounds mit einem Lächeln im Gesicht verlassen werden.

Dabei verzichtet EDEN LAKE erfreulicherweise auf explizite Folterszenen und sexuelle Gewalt jedwelcher Art. Die derbsten Momente beginnen vorwarnungslos und gehen schnell vorbei, die Kamera blendet nur für Augenblicke ein und dann gnädig wieder ab. Es wird weder ein hoher Bodycount produziert, noch der maximalmögliche Blutverlust zelebriert. Das muss man ihm anrechnen, ob man will oder nicht.

Ungewohnt drastisch wird es dafür bei den Antagonisten. Statt der gewohnten Serienmörder, Perversen oder Hinterwäldler sind es hier Teenager, von denen alles Grauen ausgeht. Dadurch gerät der Grundton des Films derart nihilistisch und beklemmend, dass es schon keine Rolle mehr spielt, dass die kleine Herr-der-Fliegen-Truppe bis auf den Leitwolf äußerst blass geriet. Dass ich hier keine Darsteller beim Namen nenne, spricht vielleicht für sich.

Damit keine Missverständnisse aufkommen:  Die knapp 90 Minuten sind in der Tat äußerst brutal, ein Mühlstein für Körper und Seele der Protagonisten – und auch des Zuschauers. Man erschrickt erst über die Gewalt, dann darüber, dass man sich wirklich wünscht, die Kinder mögen möglichst grausam sterben. Das ist harter Tobak, doch die mit absoluten Dumpfsinn gepaarte, voyeuristische Komponente, welche den unsäglichen HOSTEL und seine Nachfolger (WOLF CREEK und Co) so bedenklich macht, fehlt hier. Das macht EDEN LAKE zu keinem angenehmeren, aber einem moralisch vertretbareren Machwerk.

Wenn man also die lachhafte Behauptung ignoriert, dass dieser Film einen ernsthaften Kommentar zum Problem Jungendkriminalität abgeben und / oder soziale Missstände anprangern könnte, mag man über EDEN LAKE ein Urteil sprechen, das vielleicht wenig schmeichelhaft klingt, in gewissem, eingangs eingeschränkten  Sinne aber tatsächlich ein Qualitätsmerkmal darstellt: Er ist finster, fies und hochgradig deprimierend – und nimmt dank seinem Nachwirkungspotential selbst in einem ohnehin zynischen Genre noch eine Sonderposition ein.

Wer sich das antun will, wird wahrscheinlich nur vom Ende wirklich enttäuscht sein.
Der Rest ist mit ACOLYTES oder SUMMER SCARS besser beraten.

Oder sagt einfach Bäh! und guckt was Vernünftiges an.


 

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