
Nicht besonders einfallsreich, mit einer Aufzählung der Darsteller zu beginnen, doch sei es mir in diesem Fall verziehen: Robert Downey Jr., Jack Black, Ben Stiller, Nick Nolte, Steve Coogan, Matthew McConaughey und – es hat sich ja schon lang herumgesprochen – Tom Cruise. Was kann bei einem solchen Staraufgebot schon schief gehen? Eigentlich nichts, sollte man meinen - oder sehr viel, es hängt ganz davon ab, wie gut man vorbereitet ist. Drei Voraussetzungen sollte man nämlich unbedingt erfüllen, will man als Zuschauer auf seine Kosten kommen.
Mitzubringen sind:
1. Fundiertes Grundwissen im Kriegsfilmgenre.
2. Solides Know-How über die Filmbranche.
3. Keinerlei Vorkenntnisse über den Film selbst.
Nur so kann man a) auch die weniger offensichtlichen Filmreferenzen zu erfassen, b) die vielen Seitenhiebe auf die Filmbranche zu verstehen und c) vom coolsten Cameo der letzten Jahre überrascht werden.
Sind diese Prämissen jedoch erfüllt, bietet TROPIC THUNDER wirklich gute Unterhaltung. Und als solche verdient er noch ein paar Anmerkungen mehr.
Noch einmal zu den Darstellern: Es wäre unsinnig zu bestreiten, dass TROPIC THUNDER einen Großteil seines Charmes aus der Besetzung bezieht. Zweifellos ist es ein Erlebnis, der eingangs genannten Truppe dabei zuzusehen, wie sie sich selbst, ihr Metier und (in Ansätzen) auch die Filmindustrie an sich durch den Schlamm ziehen.
Das der Spaß dabei nur selten in bloßen Klamauk abdriftet, ist jedoch weniger der illustren Darstellerriege oder dem vernachlässigbaren Plot zu verdanken, sondern in erster Linie der hochwertigen Optik von Cinematograph John Toll, der sein Können schon in Epen wie BRAVEHEART oder Kriegsdramen wie THE THIN RED LINE eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Die daraus resultierende, eigenwillige Mischung aus “realer” Kriegsfilmoptik und dem teils satirischen, teils kalauerlastigen Treiben ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, in jedem Fall aber ein mutiges Experiment, das gerade zu Beginn regelrecht in Staunen versetzt und sogar ein ums andere Mal zu überraschen weiß.
Der eigentliche Star des Films sind aber natürlich die vielen Anspielungen auf Kriegsfilmklassiker wie PLATOON oder APOCALYPSE NOW, die zwar stellenweise recht plump gerieten, aufgrund der vergleichsweise geringen Dichte aber niemals zu nerven beginnen oder den Film gar unter ihrer Last zusammenbrechen lassen. TROPIC THUNDER weist erfreulicherweise nicht den Minderwertigkeitskomplex anderer Komödien auf, die geringe Kreativität mit einer maximal möglichen Zahl an popkulturellen Referenzen zu kompensieren versuchen.
Als Folge davon sind die knapp 2 Stunden nicht unbedingt mit Gags gespickt, man merkt den Darstellern jedoch zu jedem Zeitpunkt die Spielfreude an. Wie viel Improvisationstalent und subversive Energie in das Projekt geflossen ist, lässt sich wohl erst durch Sichtung des Bonusmaterials (in Teilen mindestens so witzig wie der Film) vollständig nachvollziehen. Hier wird auch klar, dass der Verzicht auf mehr Nonsense wohl eher eine bewußte Entscheidung war. Und obwohl die Schimpfwortquote auch hier recht hoch ist, wirkt sie durch das Szenario weit weniger irritierend als bei dem kürzlich besprochenen STIEFBRÜDER.
TROPIC THUNDER ist “Pizza mit Alles”: Unerhört teures Fast Food aus der “Guilty Pleasures”- Ecke, vielleicht nichts für Feinschmecker, aber für einen Abend mit Freunden der ideale, cineastische Leckerbissen.