Saw V.

sawv_titleMeine Güte, was für ein Rohrkrepierer. Seit dem unglückseligen Remake von PLANET DER AFFEN habe ich wenige Filme gesehen, die dem Zuschauer so viele Steilvorlagen für spöttische Anmerkungen gaben. Elendstourismus – das Wort hab ich mir extra aufgehoben – etwas anderes kann ein vernunftbegabtes Wesen gar nicht mehr dazu bewegen, dieses cineastische Jammertal zu durchwandern. Shame on me. I watched SAW V and all I got – was tired.

Die letzte Mitgliederversammlung des offiziellen SAW Fanclub.

Die letzte Mitgliederversammlung des offiziellen SAW Fanclub.

Es fängt schon bei der Tagline an: “You won’t believe how it ends.” Die reicht in ihrer ironischen Doppeldeutigkeit locker an das legendäre “No matter who wins – we loose.” von ALIEN VS PREDATOR heran. In der Tat, es ist kaum zu glauben, mit was für einem lahmarschigen Ende man aus dem Film entlassen wird. Sollte das ein Plot Twist sein? Es steht zu befürchten. Wäre verschmerzbar, weil man auf Plot Twists auch verzichten kann, wenn die 85 Minuten davor wenigstens einmal 5 Minuten am Stück unterhaltsam wären. Sind sie aber nicht.

Die Handlung von SAW V ist dünn wie Esspapier und würde auf Wesentliche reduziert kaum ein Pixie-Buch füllen. Das brachial schlechte Timing zieht die ohnehin uninteressanten Geschehnisse auf kärgliche 90 Minuten Laufzeit, und selbst nach dieser kurzen Zeitspanne ist man schon froh, dass es vorbei ist – nur eben aus anderen Gründen als die Macher anvisiert hatten.

Den Hauptteil der Zeit turnt Sylvester-Stallone-Voice-Double Costas Mandylor durch eine Reihe zunehmend hirnrissiger Rückblenden, die ihn in bester Deus-Ex-Machina-Manier nachträglich in den Zyklus integrieren sollen, während Ex-Gilmore-Girls-Diner-Besitzer Scott Patterson durch einen Jigsaw-Fallen-Bastel-Kurs schlendert, der ebenfalls mit Rückblenden aufwarten kann.

Nein, das im Hintergrund ist NICHT die IMDB-Bewertung...

Nein, das im Hintergrund ist NICHT die IMDB-Bewertung...

Es ist bezeichnend, dass man da einen zusätzlichen Subplot einfügen musste, um noch ein paar neue Fallen zeigen zu können. Dass dieser Strang vollkommen irrelevant für das “big picture” ist, und mit geringen kosmetischen Anpassungen rückstandsfrei aus dem Film entfert werden könnte, spricht ebenfalls für sich. Hinzu kommt: Die fiesen Fallen sind nicht mal besonders fies, sondern lediglich blutig, und lassen den psychologischen Aspekt vollkommen vermissen. Die Art von modernem Survival-Grauen, das den ersten Teil so wirkungsvoll machte und uns die drei mäßigen Sequels beschwert hat, keimt dementsprechend nicht einmal auf.

“In choosing how to react to the situation, your life-long instincts will tell you to do one thing, but I implore you to do the opposite.”

Noch so ein potentieller Klassiker. Mit dieser Monologzeile haben die Drehbuchautoren Patrick Melton & Marcus Dunstan ihre Arbeitsweise, den Umgang mit dem Drehbuch, perfekt definiert. Die Frage ist lediglich, ob es eine Rechtfertigung oder ein Hilfeschrei sein sollte. Ihr Drehbuch zeigt jedenfalls eine die selbe handwerkliche Eleganz, mit der eine Gruppe Hooligans einen Wintergarten restaurieren würde. Und es versetzt dem Film einen Todesstoß, auf den selbst Jigsaw neidisch wäre.

Die wahren Verbrechen in diesem Film widerfahren nicht den Figuren. Dafür kann man einem seit dem Debut dahinsiechenden Franchise beim abkratzen zusehen, gemordet von einem offenbar desinteressierten Studio und einem allzu bemühten, uninspirierten Drehbuch.

Bitte gehen Sie weiter, hier gibts nichts zu sehen.


TM, 29.01.2009