Walk Hard.

Walk Hard.Man soll mit gutem Beispiel vorangehen, also machen wir es kurz. WALK HARD ist in erster Linie eine ambitionierte Persiflage auf WALK THE LINE, THE DOORS und (so liest man) RAY sowie einige weitere Musikfilme. Dabei bekommen natürlich die betreffenden Musikepochen generell, wie auch die großen Stars jener Zeiten im speziellen ihr Fett ab.

 

Aus der Zeit, als Dresscodes noch eisern durchgesetzt wurden.

Aus der Zeit, als Dresscodes noch eisern durchgesetzt wurden.

Am eindrucksvollsten gerieten zweifellos die Bühnen-Auftritte, in denen John C. Reilly zeigen kann, was in ihm steckt. Als Darsteller enttäuscht er praktisch nie, und auch diese leider nur mittelmäßige Komödie bildet da keine Ausnahme. Wenn es einen Faktor gibt, der WALK HARD zu einem lohnenswerten Erlebnis macht, ist es definitiv seine Performance.
 
Wie auch bei STIEFBRÜDER (danach released, davor gesehen) hat man jedoch oft den Eindruck, dass sich der Film nicht recht entscheiden kann, was er sein möchte. Er ist zu ambitioniert und verkrampft, um unbeschwert zu wirken, zu selbstverliebt, um brillant zu sein und nicht blöde genug, um als Klamauk durchzugehen.

Elvis Presley: It’s called Karate, man. Only two kinds of people know it, The Chinese and The King. And one of them is me.

Der Fairness halber muss angemerkt werden, dass ich sicher nicht das richtige Publikum für diesen Film war. Gerade das Herzstück von WALK HARD, die Songeinlagen, gerieten in meinen Ohren trotz des erstaunlichen kompositorischen Niveaus nicht ansatzweise so mitreißend wie ihre Vorbilder – den titelgebenden Song ausgenommen. Das war zwar zu erwarten, kostet den Film angesichts der großen Zahl jener Szenen jedoch einiges von seinem Charme. Auch die satirischen Elemente gerieten eine Spur zu repetitiv, wodurch der zum Ende hin recht zähe Film ungeachtet Reillys Leistung einiges von seiner Energie einbüßt. Ein paar Minuten weniger wären hier mehr gewesen.

WALK HARD ist eine putzige Komödie, die sich redlich bemüht, möglichst häufig bissig zu sein, sich bei den Albernheiten zwischendurch aber sichtlich wohler fühlt. Direkt hinter WALK THE LINE womöglich ein großer Spaß, mit mehr Abstand wohl mehr für Apatow-Fans und Musikfanatiker geeignet, die (noch) einen echten Bezug zu den persiflierten Bands und Epochen haben.

Dem Rest sei eher SPINAL TAP empfohlen.

Es heisst, wenn ausreichend viele nebeneinander hängen, kann man ihre Gesichter in 3D sehen.

Es heisst, wenn ausreichend viele nebeneinander hängen, kann man ihre Gesichter in 3D sehen.


TM, 31.01.2009