Let the right one in.

Let the right one in.Kinder in tragenden Rollen sind eine heikle Angelegenheit. Mag kaum jemand, und das zu Recht, denn die Ausnahmen, in denen sie nicht nerven, sind rar. Vampire, ähnlich problematisch. Hat man als Filmfreund jenseits der Pubertätsgrenze mittlerweile genug von gesehen, vor allem Dank der Regel: je größer der Film, desto idiotischer der Umgang mit dem Thema.

Vampirkinder, nun, das ist schon fast eine Sache für sich, auf die ich seit INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR höchst allergisch reagiere. Tolle Voraussetzung also für LET THE RIGHT ONE IN, der im Wesentlichen eine moderne Vampirromanze mit Kindern in den Hauptrollen darstellt, und sonst lediglich  noch eine Handvoll hässlicher Vögel in noch hässlicheren Klamotten sowie eine Gruppe katastrophal schlecht animierter Katzen in petto hat.

Virginia endlich im Bett mit ihrer großen Flamme.

Virginia endlich im Bett mit ihrer großen Flamme.

Wie erhofft, wenn auch nicht erwartet, wird man jedoch positiv überrascht, hat man die träge erste halbe Stunde erst einmal durchgestanden. Der sehr ruhige, atmosphärische Film besticht durch jene Form gefühlter Authentizität, die man getrost als eine der Stärken nordischer Importware bezeichnen kann. Der Ton macht die Musik, wie es so schön heisst. Darauf muss man sich einlassen, sollte  also besser einen Sonntag als einen Freitagabend wählen und die Couch dem Kino vorziehen. Schafft man das aber, bekommt man spätestens in der zweiten Hälfte ein durchaus anrührendes Märchen geboten, dass auf unnötiges Drama verzichtet und den Zuschauer sogar mit einem guten Gefühl in den Abspann entlässt.

Dass auf dem Weg dahin eine Reihe naheliegender Fragen nicht beantwortet werden und somit und dazu diverse Zweifel an der Logik des Geschehens aufkommen, ist ein wenig ärgerlich, aber verschmerzbar, solange man sich klar macht, worum es dem Film letztendlich geht. Und das ist nicht die Entwicklung einer weiteren überflüssigen, neuzeitlichen Interpretation des Mythos, nicht die Porträtierung eines übernatürlichen Alltags in einem arglosen Umfeld, sondern die Geschichte einer zarten, zerbrechlichen Freundschaft.

Ich spare mir den naheliegenden Kalauer und prangere statt dessen an: Angesichts...

Ich spare mir den naheliegenden Kalauer und prangere statt dessen an ...

Für Horrorfans, die sich zur Abwechslung nach etwas Tiefgang sehnen, eine gute Wahl, für den Rest in ein bis zwei Szenen zu hart, grundsätzlich aber zurückhalten genug und deshalb auch Genreverächtern zu empfehlen. Oder anders formuliert: Mal was Neues für alle, die weder Verlangen verspüren, Kate Beckinsales Nachfolgerin Rhona Mitra gegen bzw. mit Werwölfen kämpfen zu sehen, und sich bei einer verkitschten Schnulze wie TWILIGHT selbst wünschen, zu Staub zu zerfallen.

Bitte ansehen, bevor das US-Remake kommt, auch wenn die Darsteller da dann sicher hübscher sein und der bittersüße Beigeschmack durch ein paar knackige Horrormomente ersetzt werden wird. Vielleicht bekommt man dann ja auch noch einen Werwolf unter.


TM, 28.02.2009