Franklyn.

Franklyn Beim Schenken zählt der gute Wille. Was den Rest betrifft, das Ergebnis. FRANKLYN bemüht sich redlich, eine intelligente, anspruchsvolle Geschichte zu erzählen, vergisst und verliert dabei aber sein Publikum. Nicht durch unnötige Komplexität, sondern notwendige Geheimniskrämerei, was weniger verwerflich, dafür umso enttäuschender ist.

Bedingt durch Idee und Aufbau des Films kann in der ersten Hälfte nur sehr wenig über die Figuren verraten werden, und was erzählt wird, verliert sich lange in bedeutungsschwangeren, wenig erhellenden Andeutungen. Dies erschwert nicht nur den emotionalen Zugang ungemein, die Auflösung, die vier bis dahin parallel verlaufende Handlungsstränge zueinander führt, büßt dadurch auch einen guten Teil ihrer Wirkung ein.

Beispiele? Gern.

Franklyn - Eva Green ... in rot.

Vorsicht: Von zu viel Performancekunst gucken kriegt man rote Augen.

Zum einen ist da der Fantasy-Plot, der FRANKLYN wohl auch den Platz im LineUp der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights eingebracht hat. In einer surrealen, von Religion besessenen Stadt namens Meanwhile City sucht ein geheimnisvoller, maskierter Privatdetektiv mit Hang zum Groben ein entführtes Mädchen. Dieser Teil ist trotz begrenztem Budget visuell gelungen und damit noch der interessanteste Aspekt des Films (Dark City lässt grüßen). Hier zeigt sich aber auch bereits, woran es hapert. Viele kurze Szenen, die den Plot kaum voranbringen, ein Fall, der in einem Satz abgehandelt wird, trotzdem aber als Motivation für den Charakter dienen soll, sowie fortwährende Off-Kommentare des Protagonisten auf Niveau eines Groschenromans aus der schwarzen Serie. Das macht für eine Weile Spaß, führt aber letztlich nirgendwo hin.

Dann ist da noch ein Vater, der seinen verschwundenen Sohn sucht, eine junge Künstlerin, die sich für ihr Abschlussprojekt wiederholt und halbherzig umzubringen versucht sowie – und hier wird es dann richtig trist – ein junger Mann in Trauer um seine kürzlich verstorbene Verlobte, der stoisch durch die Tage treibt und irgendwann anfängt, einem Phantom aus seiner Vergangenheit nachzujagen. All diese Handlungsstränge laufen neben- und ineinander, treffen sich – manchmal auch nur zum Schein – für kurze Augenblicke und weichen dann wieder voneinander, um sich kurz vor Ende, nahe des titelgebenden Klingelschildes, schließlich zu verbinden.

Das klingt in der Theorie alles sehr interessant und kann kopflastigen Zuschauern auch durchaus Rätselfreuden bereiten. Doch liegt der Frustpegel sehr hoch, denn kein Plot will eine echte Dynamik entwickeln. Wie auch, wenn nur Tristesse (in der Wirklichkeit) und Schauwerte (in Meanwhile City) geboten sind und gleichzeitig im Minutentakt Fragen aufgeworfen werden, die für den Bezug des Zuschauers zu den Figuren höchst relevant sind, jedoch weitgehend unbeantwortet bleiben.

Warum ist das entführte Mädchen für den Detektiv so wichtig, dass er darüber zum Assassinen wird? Wer ist der verschwundene Sohn, wer die Frau, die der junge Mann wiederholt zu sehen glaubt? Was trieb die Künstlerin in ihre tiefe Verzweiflung? Fragen stellt man sich zu genüge, und das es an Antworten mangelt, wäre in Zeiten von Serien wie LOST kein Problem, würden die Charaktere nicht mangels alternativer Bezugspunkte zu Klischees geraten.

Der zweite Vorsitzende des Killerspiele-Clubs Kleingschaidt e.V.

Der zweite Vorsitzende des Killerspiele-Clubs Kleingschaidt e.V.

Keiner der Charaktere erhält ausreichend Exposition. Die Vergangenheit der Figuren, ihre Motivation, ihr Bezug zueinander – all das wird über eine Stunde verborgen gehalten, mit Andeutungen, die so vage sind, dass sie kaum nennenswert erscheinen. Statt mit dem jungen Mann zu trauern, sieht man ihm lediglich dabei zu, wie er nichts tut. Statt mit der Künstlerin zu leiden, muss man sich angesichts ihrer Videos und Tanzeinlage fast ein Lachen verkneifen. Der Aha-Effekt, der mit dem Zusammenfügen der Puzzleteile irgendwann eintritt, ist somit intellektuell anregend aber darüber hinaus weder bewegend noch bereichernd.

Ein löblicher Versuch, einen anspruchsvollen Mysteryfilm zu kreieren, der trotz talentierter und namhafter Darsteller (Eva Green, Ryan Philippe, Sam Riley) unter der Last seiner eigenen Ambitionen in die Knie geht.

Schade. Sehr, sehr schade.


TM, 17.03.2009