Der Baader Meinhof Komplex.

Der Baader Meinhof KomplexSo seltsam es sich lesen mag: Für einen Film, über den derart viel berichtet und diskutiert wurde, lässt sich recht wenig über DER BAADER MEINHOF KOMPLEX sagen. Klar, die geschichtliche Bedeutung und politische Aktualität des Inhalts steht außer Frage. Sieht man aber vom Thema ab und betrachtet den Film für sich, auf die fürs Medium allgemeingültigen Kriterien reduziert, gibt es erstaunlich wenig, was der Erwähnung bedarf. Denn bis auf Details punktet BMK in allen Aspekten.

Wollt ihr den totalen Casting-Wahnsinn?

Wollt ihr den totalen Casting-Wahnsinn?

Haken wir also ab: Die darstellerische Leistung ist tadellos, die handwerkliche Umsetzung mehr als ansehnlich. Der tendenziell nüchterne und somit dokumentatorisch anmutende Erzählstil schafft es schnell und anhaltend, eindringlich zu sein, und drängt sich vor allem nicht auf. Sogar die Handkamera fällt selten störend ins Auge. Der Wandel von gerechtfertigter Wut in selbstzerstörerischen Fanatismus geriet nachvollziehbar und beklemmend, selten moralisierend. Betroffenheit kann sich somit, je nach persönlicher Prägung, auf viele Weise und im Bezug auf verschiedene Facetten, einstellen.

Obwohl es angesichts der Massen katastrophaler Produktionen aus diesem unseren Lande unangebracht scheinen mag, Details zu kritisieren, solange das Gesamtbild derart positiv ist – ein paar Kleinigkeiten nerven dann doch, allen voran das extreme Name- und Facedropping. Von den gezeigten Figuren bleiben nur wenige Namen hängen, viele werden gar nicht erst eingeführt, und so fragt man sich beizeiten, welche Person nun gerade gezeigt wird und welche Bedeutung sie in Handlung und Geschichte hat. Und auch wenn das Geschehen niemals öde wird, die Menge an Material und Perspektiven mündet in einem sporadisch sehr fragmentarisch und sprunghaft wirkenden Erzählfluss, der erst mit der Inhaftierung der titelgebenden Figuren in ruhigere Gewässer kommt.

NIEMAND mag Sonntagsfahrer. Echt nicht.

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Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass die Geschichte fesselt, aber nicht bewegt. Mit Ausnahme von Ulrike Meinhof sind die Schicksale der Figuren wenig »fühlbar«, was besonders bei extremen Charakteren wie Andreas Baader auffällt, der von Moritz Bleibtreu mit der gewohnten Jovialität und Selbstgerechtigkeit gespielt wird, die gut zu der Figur passen mag, ohne ausreichendes Hintergrundmaterial aber dann doch ein wenig aufgesetzt wirkt.

Trotz allem kann man sich eine Geschichtsstunde wohl kaum packender vorstellen. DER BAADER MEINHOF KOMPLEX ist zusammen mit DER UNTERGANG eine der wenigen, großen deutschen Produktionen der letzten Jahre, die die Vergangenheit mit einer solchen Eindringlichkeit und ohne Einbüßen der notwendigen Distanz, zu vermitteln vermag.

Ein guter Film, der wenig manipuliert, viel erreicht, und den man gemessen an dem, was er sein möchte, gern als »großartig« bezeichnen kann.

Ceci n'est pas Bob Dylan.

Ceci n'est pas Bob Dylan.


TM, 05.04.2009