Glaubt man den Ratschlägen renommierter Drehbuchautoren, braucht man vor allem eines, um ein Drehbuch an den Mann zu bringen: Ein klar formulierbares Storykonzept, das nicht nur den Kerninhalt oder -konflikt vermittelt, sondern sich im Idealfall auch noch in einem, maximal zwei, Sätzen zusammenfassen lässt. STUCK ist ein gutes Beispiel dafür. Allerdings zeigt er auch, dass ein guter Aufhänger noch keinen unterhaltsamen Film garantiert.

Fassungslos, für diese Rolle zugesagt zu haben, stahl er sich ins Dunkel.
Auf dem Heimweg von einer Party fährt die Altenpflegerin Brandi Boski (Mena Suvari) unter Drogeneinfluss einen Mann an. Aus Angst um die ihr angekündigte Beförderung begeht die junge Frau Fahrerflucht, parkt das Auto in ihrer Garage und tut, als wäre nichts gewesen. Das Problem dabei: Der schwer Verletzte steckt noch in der Windschutzscheibe.
Gut, keine zwei Sätze. Aber das es möglich wäre, den Film in derart komprimierter Form zu pitchen, sollte deutlich sein. Diese Idee war es auch, die ihn für mich zum Pflichtprogramm machte, denn wenn es Filme mit vergleichbarem Plot gibt, fallen mir zumindest spontan keine ein.
Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte, ist, dass anstelle des erwarteten Psychokriegs 90 Minuten Prokrastination auf den Zuschauer warten würden – und das nicht nur auf inhaltlicher, sondern auch erzähltechnischer Ebene. So scheint sich das Geschehen ab der Ankunft in der Garage mehrfach zu wiederholen. Die Pflegerin geht in die Garage, das Unfallopfer bettelt um Hilfe, die Pflegerin jammert, der Verletzte jammert lauter, Rewind, Repeat. Ähnliches gilt für den Spannungsaufbau, der immer wieder an seinen Ursprungspunkt zurückkehrt. Die Gefahr der Entdeckung durch Passanten und Anwohner, die der Garage bedrohlich nahe kommen, wirkt schnell aufgesetzt, da diese Szenen allesamt ohne Konsequenz bleiben.

Schatz, wolltest du nicht den Müll rausbringen?
Ohne Folgen ist auch die Figur des Opfers. Obwohl Stephen Rea eine bessere Einführung erhält als die Hauptfigur, kommt man nicht umhin sich zu fragen, inwieweit die Charakterisierung für die Handlung relevant sein soll. Weder großes Durchhaltevermögen noch ein starker Überlebensdrang werden ihm angedichtet, einzig seine sture Beharrlichkeit, die ihm Rahmen seines sozialen Abstiegs porträtiert wird, gibt dem nachfolgenden Verhalten etwas mehr Glaubwürdigkeit. Ich will nicht behaupten, dass es mit weniger oder gar ganz ohne Einführung geklappt hätte, dem Zuschauer seine Figur interessant zu machen. Es hätte bloß auch mit anderen Geschehnissen geklappt, und das wirft dann doch Fragen nach der Relevanz des eingangs gezeigten auf.
Auch wenn die Entwicklung der Handlung sowie einige kleinere Ideen auf dem Papier gut geklungen haben mögen, ist STUCK selbst mit seinen circa 90 Minuten deutlich zu lang geraten. Daran ändern auch die ansehnliche darstellerische Leistung von Mena Suvari sowie die Ansätze in Richtung Milieustudie nichts.
Ein toller Aufhänger, dessen Ausführung langweilig und uninspiriert geriet, und der man noch dazu fortwährend das geringe Budget anmerkt. Ein Film also, mit dem man ungern “stuck” sein möchte.
Weitergehen, hier gibts nichts zu sehen.