Es ist an der Zeit, endlich einzusehen, was seine Fans schon seit Jahren verkünden: Moritz Bleibtreu ist der Gott deutscher Schauspieler. Wie sonst kann es sein, dass a) er in jeder zweiten, namhaften deutschen Produktion zu sehen scheint und b) der Prozentsatz an Gurken unter den übrigen 50% so unfassbar hoch ist? Götter sind omnipräsent (siehe a) und wer ohne sie auskommen will (vergleiche b), muss sehen, wo er landet.
Bevor jetzt Einwand erhoben und die Besetzungsliste kontrolliert wird – es stimmt schon: Bleibtreu ist in KRABAT nicht zu sehen. Genau hier liegt meiner Theorie nach das Problem. Nein, Moment: EIN Problem. KRABAT hat leider viele.

Die richtige Schminke und das passende Posing sind die Grundlage einer erfolgreichen Karriere als Schwarzmagier.
Regisseur Marco Kreuzpaintner hätte gut daran getan, Bleibtreu des Karmas wegen in die Besetzungsliste aufzunehmen. Womöglich wären uns dann endlose 120 Minuten gähnender Langeweile erspart geblieben.
Entweder das, oder er hätte Drehbuchautor Michael Gutmann (NACH FÜNF IM URWALD, 23) allein arbeiten lassen sollen. In jedem Fall spricht aus diesen Mutmaßungen eine Enttäuschung, die der Film selbst zu verantworten hat.
KRABAT wird vor allem vom Erzählstil in die Knie gezwungen. Die Off-Kommentare nerven schon nach wenigen Minuten, und was an Dialogen und Charakterzeichnung zwischendrin platziert wird, wirkt hohl, uninspiriert und aufgesetzt. Der ganzen Inszenierung haftet zudem der Charme einer hochbudgetierten Schultheateraufführung an. Das dies kein Kompliment für einen Film sein kann, der als deutscher Fantasy-Blockbuster geplant und auf dem Gipfel der Hysterie als unsere Antwort auf Harry Potter beworben wurde, sollte nachvollziehbar sein.
Die visuelle Umsetzung ist zwar nicht schlecht, die Spezialeffekte wirken aber unbeholfen, wie zum Beispiel die Verwandlung der Raben oder die Astralprojektion von Krabat und Tonda. An anderen Stellen wurde komplett auf Ideen verzichtet, so versucht man Krabats altern bzw. reifen mit einem albernen Bärtchen und zusammengebundenen Haaren darzustellen, was auf dem Papier eine gute Idee gewesen sein mag, auf dem Bildschirm aber eher wirkt, als hätte Darsteller David Kross plötzlich in die Rolle eines minderjährigen Landluden gewechselt. Dieser Umstand verstärkt die, durch die extrem komprimierte Handlung ohnehin vollkommen unglaubwürdige, Entwicklung der Figur ins Absurde. Kross hat eine angenehme Stimme, agiert aber in erster Linie als passiver Beobachter, der sich sogar unter all den generischen, archetypischen Figuren durch seinen Mangel an Tiefe und Profil hervorhebt.
Daniel Brühl (Tonda), der wieder mal die Opferrolle mimt, zeigt als Einziger etwas, das guten Gewissens als Schauspielerei bezeichnen kann, wirkt aber in Gegenüberstellung mit den übrigen Mimen damit schon wieder wie eine Karikatur seiner selbst. Christian Redl als böser Zauberer muss lediglich böse gucken, auf die morgendliche Haarwäsche verzichten und so bedrohlich wie möglich wirken, was im Vergleich mit den ihn umgebenden Knaben auch keine große Herausforderung darstellt.

Einen der beiden sollte das ZDF nicht für seine Standard-Werbung verwenden.
Da es sich bei der Buchvorlage nicht gerade um einen Epos handelt, ist es verwunderlich, dass sich KRABAT in vielen Punkten deutlich von ihr entfernt. Es soll dem Film nicht angekreidet werden, da Kürzungen und damit Änderungen immer unvermeidbar sind. Doch auch für sich genommen ist KRABAT kein Glanzstück, ganz im Gegenteil. Neben dem Niveau und dem Subtext leidet auch die Glaubwürdigkeit der Geschehnisse gravierend unter der Komprimierung, und wenn der Hauptschauplatz am Ende explodiert, fragt man sich schon, warum hier nicht gleich Emmerich produziert hat.
KRABAT wird Jugendlichen im Nachmittagsprogramm der Öffentlich-Rechtlichen sicher viel Freude bereiten. Für einen Kinoabend unter Erwachsenen ist er jedoch nicht zu empfehlen.