Paul W.S. Anderson ist für manche so etwas wie der kleine Bruder von Uwe Boll. Seine Drehbücher und Regiearbeiten bieten schnelle, komprimierte Action, die alle wichtigen Genrefaktoren berücksichtigt und dann in Sachen Logikfehler und Unschlüssigkeiten richtig einschlägt. Die Verachtung, mit der viele seinen Werke – meist Verfilmungen von Videospielen oder ähnlichen Vorlagen – deshalb gegenüberstehen, ist aber nur zum Teil verdient. Sicher: Seine Filme erreichen selten qualitative Höhen, die Anerkennung verdienen. Er sinkt aber auch nur selten in Tiefen hinab, die Grund zu echtem Ärger bieten.
DEATH RACE ist nun wieder so ein Fall, bei dem Fans der Vorlage entsetzt den Kopf schütteln mögen, der aber, für sich genommen und entspannt betrachtet, nett verpackten Schwachsinn mit ausreichend hohem Unterhaltungsfaktor bietet. Die Rennen sind gut, wenn auch nicht überwältigend inszeniert, die visuelle Umsetzung über die gesamte Laufzeit tadellos. Das Ende kommt etwas abrupt daher und wagt sogar einen Abschluss mit Off-Kommentar, auch hier wird die Leidensfähigkeit des Zuschauers aber nicht unnötig auf die Probe gestellt.
Dass die Handlung auf keinem erzählerischen Prüfstand bestehen könnte, darf (wie eingangs erwähnt) nicht wundern. Viel wichtiger ist aber, dass diese trotz überhasteter Abwicklung ihren Zweck erreicht, nämlich dem Protagonisten ein Quentchen Glaubwürdigkeit zu verleihen, ihm eine klare Motivation zu geben und den Zuschauer weit genug auf dessen Seite zu ziehen, um das nachfolgende Bolidenmassaker halbwegs spannend wirken zu lassen. Erfrischend dabei ist, dass verglichen mit anderen Genrevertretern Pathos, sexistische Kindereien und Proll-Humor keine starke Präsenz entwickeln. Ein bisschen lässt sich finden, jedoch nicht genug um nachhaltig zu stören.
Der gewohnt stoische Jason Statham bekam mit Ian McShane und Joan Allen einige echte Charaktermimen zur Seite gestellt, die zwar erwartungsgemäß gnadenlos unterfordert sind (was deren Fans schmerzen mag), trotz hohem Klischeegehalt ihrer Rollen aber positiv auf das Feeling des Films abfärben. Ähnliches gilt für die anderen, größtenteils irrelevanten Nebenfiguren, die zwar keine Leistung bringen (müssen), durch das kluge Casting mit ihren Schauwerten jedoch zur Glaubwürdigkeit beitragen.
Das Original (DEATH RACE 2000) mit Sylvester Stallone und David Carradine war ein Trash-Klassiker, der heute bestenfalls noch Cineasten und Filmgeeks hinter dem Ofen hervor lockt. Das desolate Zukunftszenario wirkt heute kaum noch subversiv, der ungewollte Humor ist auf der Strecke geblieben und die Actionszenen wurden den heutigen Möglichkeiten – und dem heutigen Geschmack – angepasst. Insofern entehrt die lose Neuauflage ihrenVorgänger nicht weniger als andere Remakes, lenkt aber auch nicht wirklich davon ab. Glaubt man den Fan-Angaben, hat Anderson mit diesem DEATH RACE ein Wunschprojekt realisiert, dass er seit über 10 Jahren hegt, und eigentlich schon (passend zum Originaltitel) zum Jahrtausendwechsel in die Kinos bringen wollte. Es sei ihm gegönnt.
Wer mit EVENT HORIZON, ALIEN vs. PREDATOR oder RESIDENT EVIL trotz ihrer offensichtlichen Mängel noch Spaß hatte, kommt hier garantiert auf seine Kosten. Dem kritischeren Rest sei eine verhaltenere Empfehlung ausgesprochen. Ein dummer, lauter Spaß für Heimkinobetreiber mit großem Bildschirm und fetten Boxen, der klappernd und fauchend, aber mit einem Lächeln auf den Lippen über die Ziellinie rollt.

