Manche Filme sind wie Unfallopfer. Sie müssen nur lang genug herum liegen, dann wird sich schon jemand erbarmen. ALLES IST ERLEUCHTET bildet sogar in dieser Gruppe einen Härtefall. Bevor ich mich durchringen konnte, ihn anzusehen, beging ich erstmal wiederholt Fahrerflucht. Wie sich herausstellte, tat ich ihm damit Unrecht.
Großes, großes Unrecht.

...ob meine Nachbarin etwas Sonnenblumenöl übrig hat?
Der erste Versuch dauerte exakt 15 Sekunden. Dann entschied ich, nicht in der richtigen Stimmung für einen Film zu sein, dessen Vorspann mit fideler Klezmer-Musik unterlegt ist. Wochen vergingen. Die zweite Hürde riss ich bei Minute 7. Dann hatte ich genug vom dick bebrillten Elijah Wood, dessen dahinsiechender Großmutter und seinem pausbäckigen Rückblenden-Alter-Ego. Wenn ich ohne emotionalen Bezug zu den Figuren minutenlange Sterbeszenen mit minimalem Sprechtext sehen will, kann ich mir auch HOSTEL ausleihen. Dachte ich, schaltete ab und wartete nochmal zwei Wochen.
Tatsächlich dauert es selbst nach dieser trägen Einleitung noch ein gutes Stück, bis der Film wirklich zu sich findet. Die nachfolgende Einführung der übrigen Protagonisten wirkt nämlich trotz – und gerade wegen - ihres skurrilen Charmes und ihrer schrulligen Figuren etwas zu bemüht komisch und verdreht, um wirklich zu überzeugen. Ich bin kein großer Fan von Reise-/Road-Movies, doch schräger Humor und Culture-Clash sind keine Motive, die man im Dunstkreis dieses Genres selten sieht. Erst letztes Jahr hat THE DARJEELING LIMITED gezeigt, wie niveauvoll und sympathisch man in dieser Tonlage erzählen kann, ohne albern zu wirken.

... dann fiel ihm ein, dass er versprochen hatte, die Karten mitzubringen.
Sind die ersten 25 Minuten mit den absehbaren Konfrontationen grundgegensätzlicher Charaktere aber überstanden, entfaltet sich eine anrührende, zutiefst menschliche Geschichte, der es gelingt, von Belustigung über Nachdenklichkeit bis hin zu Trauer und Katharsis dermaßen viele Stimmungslagen beim Zuschauer hervor zu rufen, dass man am Ende kaum mehr weiß, was für eine Art Träne man sich eigentlich gerade aus den Augenwinkeln wischt. Sogar der Soundtrack macht nach einer Weile richtig Spaß.
Eine unbedingte Empfehlung für diese stellenweise anstrengende, jedoch absolut wundervolle Romanverfilmung. Nach DER PIANIST die wahrscheinlich beste Aufarbeitung einer jüdischen Tragödie im zweiten Weltkrieg, die ich je gesehen habe.
Großartig ist deshalb noch untertrieben.