Wolverine

wolverine_00Für den folgenden Absatz bekomme ich wahrscheinlich Kloppe, aber was solls: Ich bin nicht sicher, ob Regisseur Gavin Hood wusste, was für einen Film er mit X-Men Origins: WOLVERINE machen wollte. Oder sollte. Nachdem der Kinobesuch nun ein paar Tage zurück liegt und das Gesehene in Ruhe einsickern konnte, bleibt nach Ausschluss aller Alternativen letztendlich nur ein Urteil übrig, dass gleichzeitig die vielleicht größte Überraschung darstellt: WOLVERINE ist vor allem und unterm Strich – ein Frauenfilm.

Wenn ich mit Dir fertig bin, ist die Wiese dran.

Wenn ich mit Dir fertig bin, ist die Wiese dran.

Denken wir es einmal kurz gemeinsam durch: Zwar gibt sich der Plot redlich Mühe, Fans des Mutanten (oder der drei X-Men Filme) mit diversen Gastauftritten bei Laune zu halten, dabei macht die Inszenierung  aber dermaßen viele Fehler, dass Freunden des Franchise  bald das Lächelnaus dem Gesicht gewischt wird. Von der – zumindest optisch – krassen Fehlbesetzung der Figur Gambit bis hin zum dem ganz, ganz böse auf jung retuschierten Patrick Stewart (Professor Xavier) gelingt so ziemlich kein einziger Cameo, wodurch diese Auftritte fast so Mitleid erregend wirken wie die Verbeugungen eines rheumakranken Butlers.

Auf der anderen Seite und als weiteres, direktes Resultat dieser Bemühungen kann man jedoch auch nicht behaupten, dass WOLVERINE auf die Ansprüche eines uninformierten, rein auf Entertainment fixierten Mainstream-Publikums zugeschnitten sei. Popcorn-Kino ist anders, ist mehr, braucht Superlative, Drall, Krawall und schwindelerregende Action. WOLVERINE aber ist brav, und wirkt in den Szenen wo er sich an Bombast versucht lediglich künstlich. Zudem verlangt der Film mit seiner oft enervierend gehetzten Erzählweise ein gewisses Basiswissen – oder zumindest eine sehr hohe Aufmerksamkeit, die kaum ein Zuschauer dieser Zielgruppe an einem Samstagabend aufbringen wollen wird.

mal sehen wie lange es sauert, bis einer darauf kommt, uns den kopf abzuschneiden

Wie lange es wohl dauert, bis sie drauf kommen, uns den Kopf abzuschneiden?

Was geboten wird, ist ein seichtes Superhelden-Süppchen, dass gemessen an dem zugrundeliegenden Material verblüffend fad geraten ist. Wolverines Charakter und Hintergrundgeschichte bieten massenhaft Material für Drama, Schmerz und Leid, für düstere Bilder und rabiate Kämpfe. Von all dem ist aber nur wenig zu sehen, da die relevanten Meilensteine zwar in weiten Teilen vorhanden sind, doch lustlos und ohne jegliche erzählerische und choreografische Intensität abgehandelt werden. Selbst in den nett choreografierten Actionszenen plätschert das Geschehen vor sich hin und vermag dermaßen wenig mitzureißen, dass man sich beinahe den TERMINATOR 4-Trailer zurück wünscht, der vor dem Hauptfilm gezeigt wurde.

Also: Ein Frauenfilm. Eine Hugh-Jackman-Show. Wenn Logans Geliebte ihm ein tragisches Märchen erzählt, dass dann als Inspirationsquelle für seinen Superheldennamen dient, wenn er bald darauf splitterfasernackt einen Wasserfall hinunter springt oder sich mit einem lieben Renterpaar anfreundet – dann fällt einem auf, wie sehr der Figur hier der Grimm fehlt, und wie sehr man offenbar darauf aus war, jene Teile des Publikums zufrieden zu stellen, die einzig wegen Hugh Jackmans Namen auf dem Plakat ihre Karte gelöst haben. Da kann man gern argumentieren, der Plot solle ja nur zur düsteren Figur hinleiten, die Entstehungsgeschichte zeigen. Doch selbst das Ende wirkt fad und eigenartig artifiziell.

Die Backstreet Boys haben sich ganz schön verändert.

Die Backstreet Boys haben sich ganz schön verändert.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass trotz der vielen Mängel einige nette Sprüche und Ideen erhalten blieben, die beispielsweise die Episode im Superheldenkillerkommando des Militärs (ich bin zu faul den Namen zu recherchieren) durchaus unterhaltsam machen. Das war es dann aber auch. WOLVERINE ist nicht schlecht genug, um sich zu echauffieren, aber auch bei weiten nicht gut genug, um begeistert zu sein.

Hektische Erzählweise, mangelnde Intensität, einfallslose Inszenierung und fehlende atmosphärische Dische machen WOLVERINE zu einem Film, den man sich mal entspannt unter der Woche zum abschalten ansehen kann, der aber kaum in einem Atemzug mit den Filmen genannt werden darf, die dem Genre in den letzten Jahren wieder zu Ansehen verholfen haben.

Solides Mainstream-Kino, das aber angesichts der aktuellen Konkurrenz, von Watchmen bis StarTrek, zur Bedeutungslosigkeit verblasst.


TM, 13.05.2009