Unter Filmfans ist weithin bekannt, dass man schon krank im Kopf sein muss, um freiwillig Geld für einen Uwe-Boll-Film auszugeben. Was liegt also näher, dachte ich, als sich am Höhepunkt einer Erkältung, todmüde und mit einem von verschleimter Stirn schwerem Schädel, den aktuellsten kulturellen Tiefschlag der deutschen Regisseur-Koryphäe anzutun? Ich war ja schon auf Schmerzmitteln, wie schlimm konnte es also werden? Wie sich zeigte, habe ich Boll unterschätzt. Der Selbstversuch ging gnadenlos nach hinten los.
FARCRY bereitet auf dermaßen vielen Ebenen psychische Pein, dass man ihm fast schon Tiefgang zugestehen könnte. Man würde ungefähr die Laufzeit des Films in Seiten brauchen um ausführlich zu beschreiben, was mit dieser Missgeburt von einem Film alles nicht stimmt. FARCRY ist dermaßen mies, dass er die »so schlecht, dass er schon wieder Spaß macht«-Phase nicht nur erreicht, sondern auch gleich wieder hinter sich lässt – und so in einer ganz neuen Sphäre von Abartigkeit landet.
Der Großteil der Szenen, insbesondere die Dialoge, wurden derart haarsträubend geschrieben und inszeniert, dass man fortwährend zwischen ungläubigem Starren und höhnischem Gelächter wechseln möchte. Man kann Schweiger und Co kaum böse sein, dass sie gewohnt unüberzeugend sind, talentierteren Darstellern wäre wahrscheinlich der Kopf vor Scham explodiert. Leider verliert auch der unfreiwillige Humor und das von Udo Kier gewohnte Overacting schnell sein trashiges Flair, wodurch das Geschehen dann mehr ermüdend als amüsant und beizeiten sogar Mitleid erregend wirkt.
Effekte sind quasi nicht vorhanden, das Timing bereitet körperliches Unbehagen und die Wackelkamera wurde derart dilettantisch eingesetzt, dass einem erstmals bewusst wird, wie viel man bei diesem eigentlich längst überstrapazierten Stilmittel falsch machen kann. Besonders gegen Ende hält die Kamera offenbar beharrlich an der Action vorbei, von Ästhetik und Bildsprache keine Spur. Angesichts der Tatsache, dass es in einer Genickbrech-Szene nicht einmal für einen (ohnehin abgedroschenen) Soundeffekt gereicht hat, liegt die Vermutung nahe, Boll sei hier endgültig das Budget ausgegangen. Das kann, bedenkt man die Elemente der Vorlage, die nicht übernommen wurden, ohnehin nicht hoch gewesen sein.
Unterlegt wird das ganze mit einem vor sich hin düdelnden Konservendosensoundtrack, der in seinen besseren Momenten an die Hintergrundmusik der Spielvorlage und in seinen schlechteren an 80er bis 90er Jahre Softpornos erinnert. Hinzu kommen Logikfehler, die in ihrer Menge und Dichte kaum mehr fassbar sind, und auf allen Ebenen, von den kleinsten Details bis hin zu den maßgeblichsten Teilen des seichten Geschehens, anzutreffen sind. Außerdem Sprünge und Twists, die sich vollkommen unmotiviert aneinanderreihen sowie ein überflüssiger, nerviger, fetter, nicht einmal im Rahmen eines überdrehten Actionkomödie glaubwürdiger Sidekick.
Fazit: Man kann krank sein, aber es hilft nichts. FARCRY wäre selbst für einen wiederholtes Schlaganfallopfer mit Konzentrationsstörung eine Beleidigung. Der beste Grund, sich diesen Totalschaden von einem Actionfilm anzusehen ist, daraus ein Partyspiel zu machen: Wer die meisten Logikfehler findet, kriegt ne Flasche Wein, mit der man dann versuchen kann, das Gesehene zu vergessen. Grausame Ironie, dass wir in einer Welt leben, in der die FSK-Schilder auf DVD-Hüllen vor kurzem so extrem vergrößert wurden, dass jedes Artwork ruiniert wird, jedoch noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, Filme wie diese vollflächig mit einem entsprechenden Warnsymbol zu überkleben.
FARCRY wirkt wie eine FSK18-TV-Produktion, die ein Sender für das Samstagmittagsprogramm zurechtgestutzt hat. Wer wissen möchte, wie sich eine Lobotomie ohne Narkose anfühlt, sollte die 2 Euro investieren.


