Einer der lustigsten Abende meines Lebens war die Geburtstagsfeier einer Kumpeline, die aus irgend einem Grund in der Privatwohnung eines uns bekannten Kneipenbesitzers landete. Mitten in der Nacht begann dieser, vollkommen bekifft einen Vortrag zu halten, der mit einem Monolog über den Aralsee begann und von diesem Punkt aus ungefähr ein Dutzend weiterer Themen ausufernd behandelte. Nach ungefähr einer Stunde war ich soweit, dass ich vor Lachen beinahe kotzen musste.
PINEAPPLE EXPRESS präsentiert sich, wie es Flex auf Moviegod.de gut beschreibt, ähnlich, jedenfalls bezüglich des Erzählstils, denn Tempo und Timing des Films wirken stellenweise, als ob ein Kiffer die Geschichte erzählen würde.
Im Bezug auf den Inhalt ist das auch vollkommen legitim und passend. Der Plot über einen netten Grasdealer und seinen Lieblingskunden, die durch einen Zufall ins Visier eines brutalen Drogenbarons geraten, ist absurd, brutal, sprunghaft und punktuell einfach nur albern. Zudem nimmt sie sich gerade in den kritischen Anfangsszenen (zu) viel Zeit, um die Figuren einzuführen, und fordert die Geduld des Zuschauers mit mindestens einem redundanten und endlos langen Gespräch. Solche Ausschweifungen, wie zum Beispiel auch der vollkommen überflüssige Prolog, mögen zwar auf ihre Weise, für dieses Milieu, durchaus realistisch sein, machen es aber dem Publikum nicht leicht, den Film zu mögen.
Schafft man es trotzdem, sich auf die sympathischen Charaktere und deren haarsträubende Aktionen einzulassen, gibt es viel Anlass zum schmunzeln oder lachen. In gewissem Sinn handelt es sich bei PINEAPPLE EXPRESS um einen Verwandten klassischer Idioten-Filme, einen modernen Don Quixote-Ableger, bei dem die Droge mehr als Mittel zum Zweck dient, Idioten kreieren zu können, die eigentlich ganz helle Bürschchen sind, in ihrem Abenteuer aber eine bescheuerte Entscheidung an die nächste reihen. Das Gras »legalisiert« dabei die Blödheit ihrer Ideen und macht die Konsequenzen somit erst lustig.
In jedem Fall ist PINEAPPLE EXPRESS Geschmacksache. Ob man Plot und Humor etwas abgewinnen kann, ob die überraschend brutalen und langgezogenen Kämpfe (auch eine Art von Realismus, da keiner der Beteiligten kämpfen kann, was einen gezielten Knock-out erschwert) als so wild und amüsant empfunden werden, wie sie gemeint sind, liegt primär an der Einstellung des Zuschauers. Das gilt für jeden Film, diesen hier aber in gesteigertem Maße.
Wer also schon einmal einen Abend über die Ausschweifungen eines Bekifften gelacht hat, macht hier mit etwas Vorsicht einen guten Griff. Der Rest sollte die Finger von dem Zeug lassen.