Es will mir nicht in den Kopf. Vor einigen Wochen wurden neue FSK-Logos eingeführt, die mit ihrer lächerlichen Größe jedes DVD-Artwork ruinieren und Filmfans deutschlandweit zum Zähneknirschen bringen. Mal von der Unsinnigkeit dieser Maßnahme abgesehen stellt sich da die Frage, wieso einerseits derartige Hinweise erzwungen werden, gleichzeitig aber ein Entertainment-Gau wie das Remake von DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILL STAND ohne eine spezielle Kennzeichnung in den Regalen stehen darf. Wenn es ein Gegenstück zu “Prädikat: besonders wertvoll” gäbe, diese Missgeburt von einem Film hätte sie verdient.
Man kennt es aus dem Kindergarten: ein Butterbrotpapier auf ein paar Münzen gelegt, mit einem Bleitstift schräg darüber schraffiert, schon hat man einen krakeligen Abdruck, den zweidimensionalen Durchrieb eines Wertgegenstandes. Ähnliches ist hier passiert. Der uninspirierte, vermessen langweilige Aufguss des gleichnamigen Klassikers DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILL STAND ist kaum mehr als ein blasses Medley bekannter Katastrophenfilm-Versatzstücke, die man aus Filme wie THE DAY AFTER TOMORROW zu genüge kennt. Von den ignoranten Macht- und Befehlshabern über die ignorierten Wissenschaftler und einsamen Helden bis hin zum überforderten Militär ist alles dabei, zu allem Überfluss und allen voran: Ein nerviges Kind.
Der durch seine Frisur verblüffend an Noah Gray-Cabe (HEROES) erinnernde Jaden Smith spielt das wohl nervtötendste Film-Balg der letzten 10 Jahre. Zumindest fällt mir kein einziger Film der jüngeren Vergangenheit ein, in dem ein ähnlicher Charakter derart unerträglich wirkte. Womöglich hatte ich Glück. Hartgesottene Zyniker mögen das als eine Art sadistischen Realismus betrachten, ich für meinen Teil hatte fast körperliche Schmerzen. Dass er zu allem Überfluss in einem Großteil der Szenen mit Hauptdarstellerin Jennifer Connelly zu sehen ist und somit an gut 40% (gefühlten 70%) der Dialoge Teil hat, macht es nur noch schlimmer.
Die inhaltlichen Mängel sind ebenso eklatant. Es fällt schon auf, wie häufig es sich das Drehbuch einfach macht und den möglichst direkten Weg zum Ziel geht, ohne Rücksicht auf Plausibilität oder Authentizität. Viel Show, wenig Substanz. Dabei ist es eine besondere Form von Ironie, dass trotzdem nichts vorwärts zu kommen scheint.
Auch der Subtext verdient Beachtung, denn dass sowohl der amerikanische Präsident als auch sein Vize mit einem Satz aus dem Plot verbannt werden und statt dessen Kathy Bates als Verteidigungsministerin alle Entscheidungen treffen darf, die das Schicksal der Welt bestimmen können, ist ebenso absurd wie der offensichtliche Versuch, keine eindeutige politische Position zu beziehen und somit – Gott bewahre – antiamerikanisch zu wirken. Dabei ist die Eloquenz, mit der sämtliche anderen Länder und Völker zu bloßen Statisten erklärt werden, mindestens genauso typisch für das Amerika, das uns Hollywood zeigt.
In seiner allumfassenden Ödnis weckt DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILL STAND unliebsame Erinnerungen an das verkorkste Remake von THE TIME MACHINE. Die Botschaft des Films, so lachhaft sie auch präsentiert wird, hat indes nichts von ihrer Aktualität eingebüßt – man sollte sie nur zuerst auf den Film selbst anwenden: Wer Warnungen ignoriert, bekommt irgendwann die Rechnung. Oder anders formuliert:
Wer diesen Film freiwillig durchsteht, hat es nicht anders verdient.

