Die Ironie bei manch mittelmäßigem Mainstream-Müll ist, dass man seltener enttäuscht wird, weil man von vornherein wenig erwartet. Bei Filmen, die sich einen gewissen erzählerischen Anspruch auf die Flaggen geschrieben haben, muss das Niveau hingegen überdurchschnittlich sein, um zu überzeugen. So gesehen positioniert sich das Popcornkino klüger als das Programmkino. Und deshalb darf man auch von Sidney Lumet (Serpico, Network) enttäuscht sein, wenn er einen Film wie TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG macht.
Was die Einleitung schon suggerieren sollte: TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG oder BEFORE THE DEVIL KNOWS YOU’RE DEAD ist keinesfalls schlecht. Man könnte ihn als grundsoliden Thriller bezeichnen, es dabei belassen und niemandem Unrecht tun. Was einem cineastisch halbwegs versierten Zuschauer aber bitter aufstoßen mag, ist, wie uninspiriert hier in der ersten Häfte versucht wird, einen an und für sich sehr geradlinigen und simplen Plot durch Vermischung von Zeitabschnitten und Perspektiven zu kaschieren. Der wenig mitreissende Raubüberfall, der ebenso schnell wie dramatisch endet, wird mit einer Reihe von Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln dokumentiert, gibt für sich genommen aber keinerlei Anlass für eine solche eingehende Behandlung. Zudem hat die Erzähltechnik bei PULP FICTION noch ganz gut funktioniert, ist aber längst (wieder) ein so altes und abgenutztes Stilmittel wie Off-Kommentare in Noire-Krimis oder die Dusch-Szenen in Teenie-Slashern. Man fragt sich, wer sich an so etwas noch erfreut.
In gewissem Sinne dient der Überfall, um dem im Trailer so viel Aufhebens gemacht wird, lediglich als Basis für die nachfolgende Dekonstruktion der Protagonisten, für das endgültige Auseinanderbrechen einer schon vorher bis ins Mark zerrütteten Familie. Mit diesem Thema macht der Film in seiner zweiten Hälfte wieder den Boden wett, den er in der ersten Hälfte nach und nach verloren hat, landet somit aber schlussendlich nur im gesunden Mittelmaß. Gut, aber nicht genial.
Wer sich die ersten 45 Minuten nicht zu sehr langweilt, wird mit einer vorzüglichen zweiten Hälfte belohnt und erlebt Ethan Hawke und Philip Seymour Hoffman in Höchstform. Wer sich für den Thriller-Part interessiert, und experimentellere Erzähltechniken mag, ist mit einer Kamelle wie MEMENTO eventuell besser beraten.