Auch eine absehbare Enttäuschung kann frustrierend sein. Sechs Jahre nach dem missratenen und mittlerweile in gnadenvolle Vergessenheit geratenen dritten Teil kommt nun ein Film daher, der ein Auftakt zu einem Neustart des Franchise sein könnte, jedoch keinerlei Interesse zu wecken vermag, weder für sich noch für das, was nach ihm kommen mag.
Im Vordergrund steht selbstredend die Action. Diese wurde handwerklich solide inszeniert, lässt als Materialschlacht aber die nötige Intensität vermissen, wodurch sich der Film deutlich abgeschlagen hinter führenden Genrekollegen platziert. Es fehlt die Atemlosigkeit, die mitreissende Wucht. Selbst der nicht minder hanebüchene vierte Teil der STIRB LANGSAM-Reihe ließ es effektiver knallen, und mit TRANSFORMERS – DIE RACHE schon in der Trailerrotation drängt sich durchaus die Frage auf, warum man sich den Kampf gegen die Maschinen, der streng genommen erstaunlich kurz kommt, überhaupt ansehen sollte.
Wo man auch die Antwort suchen mag, bei der Handlung und den Darstellern wird man kaum fündig werden. Der angerissenen “Was macht uns menschlich”-Thematik gelingt es zu keinem Zeitpunkt, Fuß zu fassen. Die dazugehörigen Passagen und Dialoge wirken wie der bemühte Versuch eines Nachwuchsautors, einem simplen Actionstreifen eine Prise Philip K. Dick zu verpassen.
Christian Bale spielt einen dauerzornigen Schlafwandler, der zwar in vielen Szenen zu sehen ist, letztlich aber auf eigenartige Weise irrelevant für das Geschehen scheint, was sein solides Spiel bedeutungslos erscheinen lässt. In erster Linie dient die Figur John Connor als eine Art Katalysator in einem Kampf, auf den er keinerlei Einfluss hat, da er in den meisten Szenen durch eine beliebige, andere Figur ersetzbar gewesen wäre. Ungleich positiver wirkt hier Sam Worthington, der zwar ebenfalls mit einer recht blassen Figur zu kämpfen hat, durch seine Ausstrahlung, sein Spiel und die ausreichende emotionale Bodenhaftung aber sämtliche Sympathiepunkte auf seine Seite zieht. Dass er damit Bale noch ein Quentchen blasser ausssehen lässt, rückt endgültig das Gerücht (1 und – more important – 2) in Gedächtnis zurück, dass Bale massive Änderungen an der Geschichte eingefordert habe, um seiner Figur mehr Leinwandzeit zu verschafft.
All das Mittelmaß wäre verschmerzbar und unwesentlich schlimmer als die Mängel der Genrekollegen, würde der Film nicht vor unverzeihlichen Logikfehlern strotzen. Beizeiten drängt sich der Eindruck auf, die Macher hätten die ersten Teile nicht gesehen oder würden sie am liebsten ignorieren. Wenn sich John Connor, der in seiner Jugend (Teil 2 & 3) mehrfach mit verschiedenen, menschlich aussehenden Terminator-Modellen konfrontiert war, allen Ernstes schockiert über den sogenannten “Hybriden” zeigt, mag das zwar für den erwähnten Ethik-Teil relevant sein, es missachtet aber auch alles, was an Vorgeschichte zur Verfügung steht. Und selbst wenn man gewillt ist, einem “Neustart” derlei Änderungen zu verzeihen, muss man sich fragen, wieso der Film dann in anderen Punkten auf Vorwissen setzt, ohne das die zahlreichen Hinweise und Anspielungen auf die Vorgänger unbemerkt bleiben würden.
Den Höhepunkt des Schrottberges bildet noch ein Schnitt in Filmmitte, der mit dem Feingefühl eines Schlachters vorgenommen wurde und Assoziationen an die Filmverstümmelungen von Privatsendern im Vormittagsprogramm weckt. Für Zuschauer, die eine Kinokarte bezahlt haben, ist dies schlichtweg beleidigend. Warum man sich nicht vorher auf eine Altersfreigabe einigen und auf einen problematischen Brustmoment verzichten oder eine Alternativversion filmen kann, ist mir schleierhaft und zeugt – in meinen uninformierten Augen – von einer mangelhaften Kommunikation zwischen den entscheidenden Instanzen, sei es nun Studio, Vertrieb, Regisseur und / oder Drehbuchautor. Da wundert es auch nicht, dass das Geschehen mit fortschreitender Laufzeit an Glaubwürdigkeit verliert, was in einem Ende mündet, dass in seiner Absurdität schon beinah amüsierend ist, und weit hinter dem zurück bleibt, was hätte kommen können. (Nochmal die 2)
Auch wenn absehbar war, dass kein Geniestreich kommen wird – mehr hat man sich vom Krieg gegen die Maschinen durchaus erwarten dürfen, auch angesichts des toll geschnittenen Trailers. Wie viele Filme seiner Art unterhält TERMINATOR – DIE ERLÖSUNG während seiner Laufzeit mit passablen Effekten und tollem Maschinendesign, verbietet aber jegliches Mitdenken seitens des Zuschauers während und nach dem Film. Die einzige echte Erlösung wäre, wenn man den Franchise endlich ruhen ließe. Angesichts den Neustarts des ebenso totgeführten PREDATOR-Franchise scheint dieser Schritt – zumindest langfristig – sehr unwahrscheinlich.
Eine Alternative für Kampfmaschinenfans, denen Transformers zu bunt und kindisch ist, und die keine nostalgische Schwärmerei für die ersten beiden Teile empfinden.
Für den Rest absolut verzichtbar.