Wenn man nach einer Woche immer noch nicht weiß, was man zu einem Film schreiben soll, ist das kein wirklich gutes Zeichen. Ist die ambitionierte, in den (strukturellen) Spuren von TRAFFIC wandelnde Romanverfilmung schlecht? Nein. Hat sie die Lorbeeren verdient, die ihr in Form von 5 Preisen und 16 Nominierungen, darunter ein Oscar für George Clooney, zuteil würde? Leider auch nicht.
Durch das Erzählen vier parallel verlaufender, stellenweise verknüpfter Handlungsstränge soll der Film die Komplexität des Themas “Amerika und das Öl” vermitteln, sagt dabei aber überraschend wenig aus. Es bleibt einfach zu wenig Zeit, um jeder Figur das notwendige Maß an Tiefgang zu geben, wodurch das Geschehen im besten Fall archetypisch, im schlimmsten Fall emotional unzugänglich bleibt. An dieser Stelle soll nicht näher auf die genaue Handlung eingegangen werden, es genügt zu sagen, dass man bei der wenigen Zeit, die manche Themen erhalten, ebenso gut auf sie hätte verzichten können. Hier fällt besonders eine problematische Vater-Sohn-Beziehung und der Werdegang zweier junger Attentäter ins Auge. Doch auch was das Kernthema betrifft erstaunt, um wie wenig schlauer man sich nach dem Abspann fühlt.
Entschädigt wird man durch die illustre Darstellerriege, vom genannten Clooney über Matt Damon bis hin zu Jeffrey Wright und Chris Cooper enttäuscht keine der Darsteller. Man hätte nur jedem von ihnen etwas mehr Material gewünscht. Auch die Kameraführung und der Schnitt wissen zu überzeugen, so dass nie wirklich Langeweile aufkommt.
Sofern man emotionalen Zugang zu einem oder mehreren Charakteren findet, vermag die schlichte Moral des Films durchaus zu berühren. Abgesehen davon erinnert SYRIANA eher an einen hoch budgetierten ZDF-Fernsehfilm: Ambitioniert, politisch, pädagogisch wertvoll und trotzdem – leider – keine ehrliche Empfehlung wert.


June 21st, 2009 at 12:24 pm
ich habe mich allerdings gefragt, wo sich dieser film im ansatz am buch orientiert. abgesehen von agenten und middle east konnte ich da keinerlei parallelen finden ;)
das buch ist aber um längen besser und durchaus empfehlenswert. liest sich beinahe wie ein john le carré.
June 21st, 2009 at 12:36 pm
Wer liest den heutzutage noch BÜCHER? Die werden doch sowieso nur geschrieben, um verfilmt zu werden, damit man dann sowas wie “nach einer Romanvorlage von” in die Marketingkampagne übernehmen und somit einen seriöseren Eindruck machen kann.
June 22nd, 2009 at 4:09 am
A bit off-topic: Acid Bar doesn’t make sense. Supposed to sound profound?
June 22nd, 2009 at 8:36 am
Coming from a “white male liberal atheist intellectual” with “opinions on everything”, that really hurt.