Wir sind ja selbst schuld. Eigentlich wollen wir unterhalten werden, von Filmen mit spannenden Geschichten, faszinierenden Charakteren, packender Inszenierung. Und dann schauen wir uns Filme wie Wolverine, Terminator: Die Erlösung oder Transformers 2 im Kino an, der Effekte wegen, und ärgern uns hinterher, wenn wir den Saal unbeeindruckt verlassen, weil es all den Explosionen und all der Wucht wieder einmal nicht gelungen ist, den stets hauchdünnen Plot zu verbergen. Und warum das alles? Weil uns der Anspruch, die schweren Momente und behäbigen Tempi des Erzählkinos zu anstrengend sind, jedenfalls an einem Freitag abend.
Dabei ist es so einfach. Oft genügt es, sich für eine Viertelstunde auf die reduzierte Geschwindigkeit, meist bei Prolog und Charaktereinführung, einzulassen. Oder ein paar bedeutungsschwangere Standbilder oder Off-Monologe zu ertragen (die man bei Blockbustern ja auch vermehrt zu Aug und Ohr bekommt). Ist man dann erst einmal in die Atmosphäre des Films abgetaucht, staunt man beizeiten nicht schlecht, wie spannend ein Film sein kann, in dem mal NICHT das Wohl der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht, sondern nur das Leben einiger weniger Protagonisten bedroht wird – oder noch weniger: deren Werte und Träume.
TAGE DES ZORNS ist, bedingt durch seine Figuren, in einem historischen Kontext verankert, der erst einmal abschreckt. Schon wieder ein Film über den 2ten Weltkrieg. Und dann auch noch über den Widerstand. Da spürt man beim Betrachten der Packungsrückseite schon den Atem hunderter Geschichtslehrer im Nacken. Und etwas schlechtes darf man, das scheint vorab festzustehen, ja über derlei Filme ohnehin nicht sagen. Siehe SCHINDLERS LISTE. Oder BAADER MEINHOF KOMPLEX. Oder – Gott bewahre – DIE WELLE. Den haben wir präzise 6 Minuten lang ertragen.
Lange Einleitung, jetzt zum Kern der Sache:
Die Überwindung zahlt sich aus. TAGE DES ZORNS ist vortrefflich besetzt, schön gespielt und vermeidet in ausreichendem Maß abgedroschene Themen und Klischees. Der Film ist sicherlich kein Meilenstein, kein vielschichtiges Meisterwerk und auch kein essentieller Beitrag zum Genre, aber er erreicht gerade deshalb etwas, woran viele Arthaus-Filme und die moralinsauren Geschichtsaufarbeiter unter den Regisseuren dieser Welt sonst scheitern: Er packt den Zuschauer, und hält ihn.
Ole Christian Madsen nahm sich ausreichend Zeit, Protagonisten zu schaffen, die einen Nachhall im Zuschauer hinterlassen, und erreicht das mit ganz einfachen, erzählerischen Mitteln, ohne ausufernde Charakterstudien. Und am Ende gelingt es dem Finale sogar, mit dem was zwischenzeitlich aufgebaut wurde, den Zuschauer zu bewegen. Sowas ist ja derzeit regelrecht selten. Ein furioser Shootout auf der einen, eine grandiose Einstellung auf der anderen Seite, der Kreis schließt sich, Abblende, Musik. So einfach geht das.
Wer eine beklemmenden, tragischen und doch packenden Film Noir über zwei finstere Helden sehen möchte, ohne aufgrund der Thematik gleich in Brüterei zu versinken, dem sei TAGE DES ZORNS warm empfohlen. Sicher polemisch in Tonfall und Aussage, aber differenziert und nebulös genug um nicht plakativ zu wirken oder das denkende Publikum zu beleidigen.
Wir brauchen solche Filme.

