Punisher: War Zone

punisher0Selbst wenn ich Gefahr laufe, mit dieser Aussage jegliche Glaubwürdigkeit im Hinblick auf anspruchsvolles Kino zu verlieren: PUNISHER: WAR ZONE ist nicht übel. PUNISHER: WAR ZONE, nie gehört? Kein Wunder. Im Gegensatz zur ersten Verfilmung mit Thomas Jane hat dieser Quasi-Nachfolger es nicht in die hiesigen Kinos, ja bislang noch nicht einmal in die deutschen Videotheken geschafft, denn nach kurzer Ankündigung verschwand er zunächst spurlos von den Ankündigungslisten. Mittlerweile ist vom Herbst dieses Jahres die Rede, genaueres weiß man nicht. Entsprechend kostspielig war es, ihn dennoch zu sehen zu bekommen, und ich will ehrlich sein und gebe deshalb zu, dass sich die Mühe aktuell für 90% des potentiellen Publikums nicht lohnen würde. Klingt widersprüchlich? Das hat seinen Grund.

"Schwester, Sie sagten doch Sie hätten seine Fingernägel gestutzt."

"Schwester, Sie sagten doch Sie hätten ihm die Fingernägel gestutzt."

Zunächst einmal kann man kaum sicher sein, ob es allein die herben Gewaltszenen waren, die der Veröffentlichung im Weg standen. Angesichts von Filmreihen wie SAW scheint es kaum möglich, andererseits ist die Sensibilität für Gewaltorgien (insbesondere mit Schusswaffen) bedingt durch die Computerspielverbot-Debatte derzeit wieder auf einem Hoch. PUNISHER: WAR ZONE fällt zudem von den ersten Szenen an durch gnadenloses Overacting auf, und scheut sich auch nicht, dabei stellenweise in schrägen Humor abzurutschen.

Diese Attitüde, gepaart mit einem entsprechenden Soundtrack, wird die einen so sehr abstoßen wie sie die anderen begeistern mag. Ob es der Verleih auch deshalb mit der Angst bekam, lässt sich nicht sagen. Sicher ist, dass man hierzulande nicht mit einer ungeschnittenen Version rechnen sollte. Die Brutalität, die an den Tag gelegt wird, ist keinesfalls mehr massenkompatibel und liegt deutlich über dem Genredurchschnitt.

Darsteller in Actionfilmen sind stets der Sprechtextmenge nach positioniert.

Darsteller in Actionfilmen sind stets der Gage nach positioniert.

So unangenehm es mir ist, es zuzugeben: Genau dies macht den Film aber sehenswert. Während die Thomas-Jane-Version eine weichgespülte, blutleere Hollywood-Aufwärmpackung war, die nicht zu vermitteln verstand, worin die Faszination und Attraktivität einer solchen Figur begründet liegt, macht Regisseurin Lexi Alexander deutlich, was Frank Castle von seinen Kollegen unterscheidet. Superman, Batman, Spider-Man, die X-Men, sie alle stecken ihre Gegner ins Gefängnis, und töten  nur wenn es sich nicht vermeiden lässt. Der Punisher bringt seine Gegner um. Alle. Ausnahmslos.

Das ist der Albtraum eines jeden Humanisten, appelliert aber eben auch an das in vielen Menschen verankerte, hoch emotionale Verlangen nach einer Gerechtigkeit, die keine Gnade, aber klare Fronten kennt, nach einer Welt, in der keine Grautöne und keine Kompromisse existieren und das Böse mit der selben Rücksichtslosigkeit bekämpft werden kann, die es selbst praktiziert. PUNISHER: WAR ZONE trifft die Figur diesbezüglich perfekt, und ist somit im Hinblick auf Vorlagentreue ein Vorzeigebeispiel. Hinzu kommt, dass man in den Zuschauerrezensionen nicht selten einen Satz liest, der in gewissem Sinne einen Ritterschlag darstellt: Ray Stevenson IST der Punisher. Auch das lässt sich nicht leugnen.

Best. Casting. Ever.

Best. Casting. Ever.

Was wir also haben – bzw. noch nicht haben – ist ein inhaltlich höchst fragwürdiger Actionfilm, der aber punktgenau sein Thema trifft. PUNISHER – WAR ZONE spricht die moralischen Probleme zwar am Rande an, Sinnkrise des Protagonisten inklusive, gibt sich aber wenig Mühe darüber hinweg zu täuschen, dass dies nur einen willkommenen Ersatz für die ansonsten kaum vorhandene Handlung darstellt.

Auch wenn ich Ray Stevenson gerne mal in der Hauptrolle in einem Film sehen würde, der sich uneingeschränkt empfehlen lässt: PUNISHER – WAR ZONE liefert genau das, was man sich als Kenner der Vorlage wünscht, und doch kaum zu erfragen wagt: Knüppelharte, geradlinige und kompromisslose Action mit hohem Bodycount und haarsträubenden Shootouts, wie man sie sich von MAX PAYNE gewünscht hätte und nicht bekommen hat. Mit 14 wollten wir genau so sein, und wie 14 fühlt man sich, wenn man sich auf das stellenweise erstaunlich fesch fotografierte Machwerk einlassen kann.

100 Minuten Gewaltfantasie mit Titus Pullo.
Verachtenswert – und ein verdammtes Vergnügen.


TM, 26.07.2009