Das große Monster Hollywood hat mit OPERATION WALKÜRE (OT: VALKYRIE) zweierlei bewiesen. Erstens, dass man durchaus noch fähig und gewillt ist, eine historisch weitgehend akkurate Verfilmung zu realisieren, die sich soweit möglich und nötig an den Fakten orientiert. Persönlich bin ich mit dem Thema wenig vertraut, hier scheinen sich die Experten allerdings einig. Zweitens, dass es noch Blockbusterkino geben kann, das ohne unnötigen Bombast daherkommt. Der nach der dramatischen Eröffnung eintretende “Mut zum Kammerspiel” stellt deshalb vielleicht die größte Leistung dieses Thrillers dar.
Wer hierauf maßgeblichen Einfluss hatte, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Dass Tom Cruise über seine Funktion als Hauptdarsteller hinaus in den Film involviert war, kann aber guten Gewissens unterstellt werden. Da sei es ihm auch verziehen, dass er über die Laufzeit hinweg oft etwas zu steif und unterkühlt wirkt, was sicherlich durch die Rolle legitimiert wird, den emotionalen Zugang zu seiner Figur jedoch erheblich erschwert.
Generell ist dies eines der wenigen, aber klar gezeichneten Probleme des Films: Bedingt durch die Thematik und die Zusammenhänge leidet OPERATION: WALKÜRE wie viele seiner Genreverwandten (hier sind Spionagefilme wie THE GOOD SHEPHERD durchaus hinzuzuzählen) unter einem Überschuss an handelnden Figuren. Dieser wirkt sich deutlich auf die Intensität aus, da die Charaktere deshalb – wenn man so will – mehr Personen bleiben als Persönlichkeiten werden.
Packend bleibt es trotzdem, ungeachtet des bekannten Ausgangs der Geschichte. Die Vorbereitung, die Stunden der Schwebe und Ungewissheit, der schon greifbare Triumph und das plötzliche, unaufhaltsame Umkippen ins Scheitern sind eindringlich und ohne Längen inszeniert. Auch in der zweiten, dramatischen Hälfte bleiben die Charaktere zuweilen auf der Stecken, bzw. werden zu oberflächlich abgehandelt, zu diesem Zeitpunkt leidet das Geschehen jedoch nicht mehr maßgeblich darunter.
Wer mag, darf nebenher auf eine Deutsche-Darsteller-Safari gehen, und wird dabei die ein oder andere Überraschung erleben. Selbes gilt auch für den Originalton, der zwar ohne übertriebene Akzente auskommt, jedoch beizeiten etwas lustlos wirkt. Besonders David Bamber als Adolf Hitler mangelt es an Stimmkraft und Eindringlichkeit, was allerdings auch eine Aussage und somit beabsichtigt sein kann. Das verkrümmte, kleine Wesen, um das so viel Aufhebens gemacht wird, gibt dem Mythos und der geschichtlichen Tragweite eine bittere, zuweilen fast ironische Note.
Mit seiner geradlinigen, komprimierten und mich buchhalterischer Präzision strukturierten Erzählweise ist OPERATION WALKÜRE solides Thrillerkino mit historischem Bezug – mehr aber auch nicht. Die filmische Aufarbeitung des Attentats meidet viele der ausgetretenen Pfade der WW2-Filme, hinterlässt ob ihrer Kühle aber keinen nachhaltigen Eindruck.
Ein interessanter Thriller, der im Vergleich mit dem dieses Jahr ebenfalls auf DVD erschienenen TAGE DES ZORNS eindeutig den Kürzeren zieht.

