The Fall.

The Fall - PosterUngefähr einmal im Jahr, und dieser Anlass ist für mich stets Grund zu großer Freude, kommt mehr oder minder unerwartet ein Film daher, der nicht nur positiv überrascht und die (meist eher moderaten) Erwartungen überflügelt, sondern in jedem Aspekt voll überzeugt. KONTROLL (der U-Bahn-, nicht der Musikerfilm) war so ein Fall, KISS KISS BANG BANG ein anderer, THE LOOKOUT (dt: Die Regeln der Gewalt) ein weiterer. THE FALL ist auch so ein … Fall, und diesmal hätte ich im Vorfeld eine kleine Summe dagegen gewettet.

Deshalb meidet man am letzten Tag den Zeltplatz bei Rock im Park.

Deshalb meidet man am letzten Tag den Zeltplatz bei Rock im Park.

Zum einen ist es nicht unbedingt ein gutes Zeichen, wenn ein Regisseur und Filmemacher nach Jahren endlich sein »Traumprojekt« realisieren oder abschließen kann. Derlei Werke leiden gerne unter überbordender, symbolischer Schwere oder sind generell zu überfrachtet und / oder persönlich. Manchmal ist solch ein Film auch nur die konsequente Weiterentwicklung eines Stils, der in vorherigen Werken schon deutlich war, in seiner Vollendung aber nicht unbedingt besser (oder überhaupt) funktionieren muss. Siehe diesbezüglich Jim Jarmuschs LIMITS OF CONTROL, der deshalb recht einhellig verrissen wurde.

Eine solche Befürchtung greift umso mehr bei einem Filmemacher wie Tarsem, der in seinem einzigen vorherigen Werk THE CELL bereits durch brillante Bilder beeindruckte, ansonsten aber wenig vorzuweisen hatte. Dass dies zu einem guten Teil der hölzernen Hauptdarstellerin Lopez und dem unterdurchschnittlichen Drehbuch zuzuschreiben gewesen sein mag, ändert mangels weiterer Referenzen wenig. Schon damals stand die Symbolik der Handlung im Weg, und nichts, was man über THE FALL im Vorfeld erfuhr, trug dazu bei, die Sorge zu zerstreuen, dass sich dieser Effekt hier wiederholen könnte. Auch die späte Veröffentlichung hierzulande hätte man eher als schlechtes Zeichen interpretieren müssen.

Der Kostümbildner hatte MINDESTENS einen Orgasmus.

Der Kostümbildner hatte MINDESTENS einen Orgasmus.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Man durfte von THE FALL nicht mehr erwarten als hochästhetische, malerisch komponierte Bilder mit hohem Symbolgehalt und eine zweckmäßige, aber nicht überwältigende Handlung.

Herausgekommen ist jedoch ein Juwel. Durch das gelungene Zusammenspiel von »realer« und »erzählter« Handlung im Film, durch das unprätentiöse Verschwimmen von Realität und Traumwelt, durch eine musikalische Untermalung, die kreativ, aber nicht aufdringlich geriet, durch sympathische, ungemein glaubwürdige Hauptdarsteller (Lee Pace und Catinca Untaru sind eine Offenbarung) und eine anrührende, aber nicht unnötig weinerliche Emotionalität ist THE FALL ein Meisterwerk geworden. Ich würde sogar soweit gehen, vom idealen Film zu sprechen, allein aus dem Grund, weil die Geschichte durch ihre visuelle Komponente, die nicht nur hübsch ist sondern viele Worte spart, in keinem anderen Medium funktioniert hätte.

Links: Der zweiarmige Bandit. Rechts: Wolverine.

Links: Der zweiarmige Bandit. Rechts: Wolverine.

THE FALL ist ein beeindruckendes Beispiel für Film- und Erzählkunst, das sich niemand entgehen lassen sollte. Eine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits, die ich lediglich deshalb bedaure, weil die Erwartungen damit zu hoch steigen.

Deshalb mein Rat:
Vorher nochmal kurz an THE CELL denken, danach THE FALL erliegen.


 

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