FREITAG, DER 13TE anzusehen ist, als würde jemand auf offener Straße einen alten, unglaublich hässlichen Hund zu Brei treten. Man hat Mitleid, ist charakterabhängig mehr oder minder angewidert, guckt aber trotzdem hin. Interessant wird der Vergleich an der Stelle, wo er zu hinken beginnt. Vorausgesetzt, die Tat wäre absehbar aber unvermeidbar gewesen, was um alles in der Welt könnte jemand dazu bringen, sich dem Anblick freiwillig auszusetzen oder sogar dafür zu bezahlen?
Ich habe keine Antwort auf die Frage, möchte mich aber aus der Affäre reden, indem ich anmerke, kein Fan des Franchise zu sein. FREITAG, DER 13TE – das Original – war für mich einer jener Filme, die man mit nach Hause nimmt, wenn man zum ersten Mal in eine Videothek steht und sich etwas Derbes mitnehmen möchte. Angesichts des Überangebots hielt man sich da an Titel, die man irgendwo aufgeschnappt hatte, oder arbeitete sich mit System durch die Reihen und landete so früher oder später bei derartigen »Klassikern«. Das Interesse, wenn man es so nennen will, an dieser Neuauflage war also eher … akademisch.
Insofern möchte ich mich nicht bei den frustrierten Fanboys einreihen, welche die Nutzerkommentare auf imdb unsicher machen und dabei einen furchteinflössenderen Killerinstinkt an den Tag legen als der Protagonist der derart verehrten Reihe. Unabhängig von den Details der jeweiligen Ausführungen haben sie aber Recht: FREITAG, DER 13TE ist genauso dumm und schlecht, wie man befürchten musste. Nicht spannend. Nicht witzig. Und bei weitem nicht blutig genug, um eins der beiden zu kaschieren. Der inflationäre Bodycount und der hohe Anteil an Oben-Ohne-Einstellungen stimmt eher traurig, als zu amüsieren, merkt man doch, wie bemüht man war, der Zielgruppe zu gefallen.
Hört man den grenzdebil dauerlächelnden Darstellern – natürlich allesamt Fans mit persönlichem Bezug zum Original – bei den Making-of-Interviews zu, bekommt man den Eindruck, dass hier Naive Kunst gelebt wird. Übertroffen wird die Idiotie ihrer Aussagen nur noch von den Drehbuchautoren, die sich nicht einmal scheuen, den »Neustart« des Franchise mit BATMAN BEGINS zu vergleichen. Dreistigkeit siegt. Ein weiteres, irritierendes Details fällt zudem auf: Bei Stichproben fand ich lediglich Interviewfetzen der vornehmlich weiblichen, weißen Darsteller. Ausgerechnet die einzigen beiden halbwegs sympathischen (heißt: nicht komplett unsympathischen) Gesichter der Opfergruppe, Arlen Escarpeta und Aaron Yoo wurden konsequent, wenn nicht sogar komplett, ausgeklammert. Das könnten sarkastische Stimmen als gelebten Rassismus bezeichnen.
Ach ja, Jared Padalecki gab sich nach HOUSE OF WAX und CRY WOLF auch mal wieder für einen lahmen Horrorfilm her, spielt aber der Einfachheit halber einfach seinen Charakter aus SUPERNATURAL weiter (nett, zurückhaltend, passiv-aggressiv). Von Abwechslung keine Spur. Auf dem selben Niveau bewegt sich übrigens die komplette Inszenierung. Innovation bei FREITAG DER 13TE sieht so aus: Statt einer Gruppe verhinderter, Drogen konsumierender, fickwütiger Barbies und Kens, die von einem finsteren Gesellen dahin gemeuchelt werden, bekommt man: Zwei Gruppen verhinderter, Drogen konsumierender, fickwütiger Barbies und Kens, die von einem finsteren Gesellen dahin gemeuchelt werden. Das in dem Jahr überhaupt noch andere Filme für den Oscar nominiert wurden, wundert mich.
Das einzig interessante an diesem Machwerk des PATHFINDER-Regisseurs Marcus Nispel, das sich nahtlos in die schlechten Horror-Remakes der letzten Jahre, von Rob Zombies HALLOWEEN bis TEXAS CHAINSAW MASSACRE, einreiht, ist – nix. Mir fällt beim besten Willen kein Grund ein, ihn anzusehen. Weshalb ich die Frage, was da bitte wieder falsch gelaufen ist, mir durchaus auch beim Blick in den nächstbesten Spiegel stellen könnte.

