Gran Torino.

Gran Torino PosterEs mag sich weniger positiv lesen als es gemeint ist, aber: GRAN TORINO entspricht den Erwartungen. Jedenfalls sofern man anrührendes Erzählkino mit breitem moralischem Fundament erwartet. Als solches funktioniert der Film sehr gut, auch wenn recht häufig für den Zuschauer erkennbar ist, an welcher Stelle und mit welchem Hebel die Geschichte gerade eine emotionale Reaktion zu erwirken versucht, und wie diese aussehen soll.

grantorino1

Ihr seid also diese Blumenkinder, von denen man hört. Ich bin enttäuscht.

Dass diese Durchschaubarkeit nicht stört, ist den Darstellern zu verdanken, die (bis auf wenige Ausnahmen) selbst die kleineren Rollen vortrefflich und glaubwürdig verkörpern. Hier stechen besonders Ahney Her als frech-sympathische Sue sowie John Carroll Lynch als Barbier hervor. Bee Vang als der junge Thao Vang Lor (Katalysator der Geschehnisse) kommt durch die Handlung bedingt erst recht spät zum Zug und muss deshalb viel aufholen, meistert diese Herausforderung aber ganz passabel.

Clint Eastwood als grantiger Witwer und rassistischer Veteran ist natürlich eine Offenbarung. Sein mal ernstes, mal charmantes und überraschend oft witziges Spiel allein ist Berechtigung genug für das überwiegend überwältigende Lob, dass der Film erhalten hat. Dank seiner Doppelfunktion als Hauptdarsteller und Regisseur ist es somit ohne Zweifel SEIN Film.

gran_torino2

Merke, mein Sohn: Jede gute Pornosammlung beginnt mit einer coolen Kiste.

Nun stehen bei einem Drama wie diesem natürlich die Themen im Vordergrund, die anzureißen sich Drehbuchautor und Regisseur vorgenommen haben. Hier knickt der gute Eindruck etwas ein, denn GRAN TORINO geht diesbezüglich nicht gerade mit Subtilität zu Werke. Trotzdem bleibt er dank seinem Ende doch über seine Laufzeit hinweg »hängen«. Wer sich an der teils aufgesetzten, gegenseitigen Erziehung der Figuren nicht stört, und für ein Rührstück über Toleranz offen ist, wird summa summarum nicht enttäuscht.

GRAN TORINO ist ein solides Erzählstück, das sich auf bewährten Genrepfaden bewegt, dabei nie wirklich überrascht und deshalb auch nicht als Geniestreich oder Meisterwerk bezeichnet werden muss. Wer das möchte, darf es dennoch tun, denn wer sich an den Originalton wagt, und so der furchtbaren deutschen Synchronstimme entgeht, bekommt einen Eastwood in Bestform geboten, dessen grimmig geknurrte Sprüche allein schon das Ansehen wert sind.


 

Kommentieren:


Impressum | RSS | © copyright Tom Maurer 2000-2009