Wen die Geister lieben.

Ghost Town PosterAusnahmsweise mal wieder eine Synopsis vorweg: Nach einer “Komplikation” bei einer Operation sieht der von Menschen angewiderte Zahnarzt Dr. Bertram Pincus (Ricky Gervais) plötzlich Geister. Als diese davon Wind bekommen, stehen sie natürlich postwendend Schlange, um ihn um die Klärung jener unerledigten Dinge zu bitten, die sie davon abhalten, Frieden zu finden. Der Schnösel Frank (Greg Kinnear) scheut sich nicht einmal, Pincus mit der Aufdringlichkeit seiner Leidensgenossen zu erpressen. Die Forderung: Pincus soll Franks Frau (Tea Leoni) davon abhalten, ihren neuen Lebensgefährten, einen echten Mistkerl, zu ehelichen. Dass der untersetzte Menschenhasser sich dabei in sie verliebt, macht die Sache etwas komplizierter.

Schlechteste pantomimische Darstellung der berühmten drei Affen - EVER.

Schlechteste pantomimische Darstellung der berühmten drei Affen - EVER.

Das Schlechte vorweg: Die Parallelen zu BESSER GEHT’S NICHT sind beträchtlich. Sieht man von dem (ebenfalls abgedroschenen) “Ich sehe tote Menschen”-Konzept ab, wären die beiden Filme in vielen Punkten identisch. Ein (1) hochgradig misanthropisches, aber erfolgreiches Ekel wird durch (2) einen tragischen Zwischenfall, in den (3) Greg Kinnear verwickelt ist, aus seinem (4) manisch-monotonen Alltag gerissen und verliebt sich dabei in eine (5) blonde, nicht mehr allzu junge aber sehr attraktive Frau, die (6) selbst von der Welt und ihrem Leben überfordert ist, allmählich aber (7) die sensible Seite in dem alten Stoffel weckt. Sogar ein nerviger Hund (8) ist dabei, und das ist sicher noch nicht alles.
Hinzu kommen dann noch der Umstand, dass sich romantische Komödien in der Regel sehr gleichen und gewisse erzählerische Schachzüge somit für den versierten Zuschauer bis zu eine halbe Stunde im Voraus absehbar sind. Und da auch Kritiken viel zu häufig formelhaft konstruiert sind, ist auch bei diesem Text hier klar, dass hinter einer so detaillierten Nennung der Schwachpunkte zu Kritikbeginn letztendlich doch ein positives Fazit stehen wird, ungeachtet des bescheuerten Titels.

Auch wenn WEN DIE GEISTER LIEBEN wenig wagt, macht der Film das, was er tut, richtig. Zuerst einmal ist da natürlich Ricky Gervais, den man schon mögen sollte, denn der Film konzentriert sich erwartungsgemäß sehr auf seine Figur. Dankenswerterweise wurde Gervais Humor, dessen Fremdschäm-Faktor sonst deutlich jenseits der Schmerzgrenze liegt, für dieses Drehbuch auf ein angemessenes, erträgliches Maß reduziert. Ob Gervais seine Finger mit in die Scriptsuppe getaucht hat oder ihm die Rolle einfach auf den Leib geschrieben wurde – ich bezweifle, dass es aktuell viele Schauspieler gibt, die Dr. Bertram Pincus mit der selben (gefühlten) Ehrlichkeit und Ausgewogenheit hätten verkörpern können. Gervais spaltet die Gemüter, doch die Fähigkeit zur Verquickung ablehnender Charaktereigenschaften und durchschnittlichem Aussehen mit sympathischer Intelligenz findet man selten.

Also Ricky, wer soll dein Herzblatt sein?

Also Ricky, wer soll dein Herzblatt sein?

Tea Leoni als sein Love Interest begeistert nicht weniger. Ihr Darstellung ist mal wieder ein Beweis dafür, dass man sie trotz kontinuierlicher Arbeit viel zu selten auf der Leinwand sieht. Sie hat zwar nicht die zerbrechliche Anmut einer Helen Hunt, spielt die unsichere und etwas steife Forscherin mit dem gequälten Lächeln jedoch derart gut, dass man auch sie quasi sofort ins Herz schließen kann, wodurch die Grundvoraussetzung für eine romantische Komödie schon einmal erfüllt wäre. Dass man die aufkeimende Liebe zwischen den beiden hin und wieder wirklich glaubt, stellt für mich die maßgeblichste Leistung des Films dar*. Da verzeihe ich auch gern die Frauenzeitschriften-kompatible Botschaft solcher Filme, dass sich Männer grundlegend ändern können, wenn sie nur richtig motiviert werden.

Das Genre selbst ist gleich der nächste Punkt: Eine romantische Komödie, die in Sachen Romantik mit angezogener Handbremse fährt und sich dabei nicht für witziger hält, als sie ist, kann man schon fast als Wohltat bezeichnen. Ein Beispiel: Wenn, wie früh im Film erwähnt wird, jeder Geist stets die Kleidung trägt, die er oder sie zum Zeitpunkt seines Todes am Körper hatte, wundert es wenig, dass irgendwann ein schräger, nackter Vogel auftaucht. Andere Komödien versuchen daraus einen großen Lacher zu erwzingen, hier aber bleibt die Irritation des Protagonisten mehr Nebenaspekt und wird – wenn schon nicht verhuscht – dann doch zumindest ohne unsichtbares Ausrufezeichen im Geschehen platziert. Der Humor erschließt sich hauptsächlich aus den Dialogen und Gervais zynischen Kommentaren, die ausgeglichen durch seine Unbeholfenheit auch nicht zu einseitig wirken. Um in den vollen Genuss seiner Darbietung zu kommen, empfiehlt es sich mal wieder, auf eine Synchronfassung zu verzichten. Dann schließt der Film auch mit den besten zwei Sätzen, die ich seit langer Zeit in einem Film dieser Art gehört habe.

"So schlecht sieht der Auflauf doch gar nicht aus, oder?"

"So schlecht sieht der Auflauf doch gar nicht aus, oder?"

WEN DIE GEISTER LIEBEN folgt eng den Vorgaben des Genres und geriet entsprechend generisch und vorhersehbar, wirkt aber dank der netten Dialoge erfrischend genug um ein nachhaltig gutes Gefühl zu vermitteln, diverse Lacher zu erkaspern und viel Anlass zum Schmunzeln zu geben. Und mehr erwartet man von einem Film wie diesem ja auch nicht.

* SPOILER: Das Drehbuch verzichtet auch auf Kuss- oder Sexszenen, die eine Belastung für die Glaubwürdigkeit wären. Eine weitere, kluge Entscheidung.


 

1 Kommentar zu “Wen die Geister lieben.”

  1. Jan sagt:

    sehr schöne kritik!

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