Bolt.

Bolt PlakatDer kleine Hund BOLT ist der Held einer actionreichen Kinderserie, weiß davon aber nichts, denn dank geschickter Manipulation seitens Regie und Crew hält er alles für uneingeschränkte Realität – einschließlich seiner Superkräfte. Als er zufällig vom Studiogelände verfrachtet wird, beginnt er im Glauben an die Echtheit eines Cliffhanger die Suche nach seinem vermeintlich entführten Frauchen. Bevor er sie findet, holt ihn allerdings die unbarmherzige Wirklichkeit ein.

Leute, wenn wir alle keine Kleidung tragen, wisst ihr was das dann für ein Film sein muss?

Leute, wenn wir alle keine Kleidung tragen, wisst ihr was das für ein Film ist?

Animationsfilme versuchen meist, ihre kindgerechte Handlung durch Witze aufzupeppen, die den Film auch für Erwachsene interessant machen – oder etwas mehr zu bieten als quirlige Kleintiere, damit Zuschauer mit zweistelligem Alter nicht ins Koma fallen. BOLT ist sozusagen ein Posterboy dieser Kategorie, ein anschauliches Beispiel dafür, wie man einen unterhaltsamen CGI-Film »drehen« kann, ohne bei einem MADAGASCAR 2 zu landen.

Leider verschießt BOLT all sein Pulver in der ersten Hälfte. Nach einer furiosen Eröffnung, einer gelungenen Einführung der Charaktere und dem erfreulich kompakten Anstoß der Handlung reiht sich gut eine halbe Stunde ein genialer Scherze an den nächsten. Bis zu dem Punkt, an dem BOLT und seine Begleiterin auf den hyperaktiven, größenwahnsinnigen Fanboy-Hamster treffen, ist die Reise durch Amerika ein wundervoller Spaß. Wenig später beginnt sich der Film jedoch zunehmend auf seine Geschichte zu konzentrieren, und hier geht der Unterhaltungsfaktor langsam aber sicher in die Knie. Das Finale schließlich verkommt zu einer einzigen, erzählerischen Floskel.

Dass die Geschichte – insbesondere für die jüngeren Zuschauer – zu einem klaren, nachvollziehbaren Ende gebracht werden muss, stellt niemand in Frage. Nur lässt der Plot keinen Freiraum mehr für den frechen Humor der ersten Stunde, wodurch, von ein paar generischen Seitenhieben aufs Filmbusiness abgesehen, die Banalität der Handlung in vollem Ausmaß spürbar wird. Das ist sehr schade, denn hätte man das Niveau hier gehalten, wäre BOLT zu Recht in die Top 10 der amerikanischen Animationsfilme (mit tierischen Protagonisten) gerückt. So aber ist Hamster Rhino in diesen Szenen der Einzige, der noch für echte Lacher sorgt, und das reicht trotz dessen genialer Momente keinesfalls aus.

BOLT ist das erste, große Ergebnis der Übernahme von Pixar durch Disney, die in den letzten Jahren nur himmelschreiend uninteressanten Mist zum Genre beitrugen. BOLT ist nun optisch so ziemlich auf dem Niveau, das man von Pixar kennt. Bleibt die Frage, wer in Sachen Inhalt freie Hand bekommen muss, damit beim nächsten Mal auch inhaltlich alles stimmt.

Animation super, erste Hälfte toll, letztes Drittel öde, Gesamteindruck positiv, aber durchwachsen. Etwas schade, aber immer noch empfehlenswert.


TM, 23.08.2009