Killing Room.

The Killing Room PosterIn einem abgelegenen, streng geheimen Forschungskomplex befindet sich ein weißes, vollständig und fugenlos mit Hartplastik und Stahl verkleidetes Zimmer. Der einzige Tisch und die wenigen, verstreut stehenden Stühle sind aus Metall und am Boden festgeschraubt. Ansonsten ist der Raum vollkommen leer. Die in der Decke versenken Halogenlampen werfen grelles Licht, der einzige dunkle Fleck ist die Spiegelglasfläche des breiten Beobachtungsfensters unter der Decke.

Vier Personen betreten den Raum. Sie haben sich zur bezahlten Teilnahme an Medikamententests gemeldet und beginnen sogleich damit, die ausgehändigten Fragebögen auszufüllen. Weiter oben, auf der anderen Seite des Glases, steht der Leiter des Experiments, Dr. Phillips (Peter Stormare), zusammen mit einer jungen Psychologin, die vom Institut für eine Stelle ausgewählt wurde und gerade ihr Bewerbungsgespräch führt.

Beide Parteien, sowohl die Teilnehmer als auch die Bewerberin, werden in den nächsten Stunden an ihre persönlichen Grenzen gezwungen. Denn was sich schon bei der Verschwiegenheitserklärung, die der Psychologin vorgelegt wird, andeutet, wird bald grausame Realität. Getestet werden keine Arzneimittel – sondern Menschen.

Wenn Sie nur einen Knopf drücken könnten, um diesen Job zu bekommen, welchen würden Sie wählen?

Letzte Frage: Wenn Sie einen Knopf drücken könnten, um diesen Job zu bekommen, welchen würden Sie wählen?

THE KILLING ROOM wird es schwer haben, ein geneigtes Publikum zu finden. Die Prämisse riecht zunächst nach Torture-Porn, was schon mal eine Zielgruppe anspricht, die von der erfreulich blut- und gewaltarmen Inszenierung enttäuscht sein wird.
Im Gegensatz zur primär physischen Quälerei der Zwangsinsassen von Filmen wie SAW und HOSTEL liegt der Schwerpunkt hier auf dem psychologischen Horror, und obwohl dabei weder der Tiefgang eines DAS EXPERIMENT noch der Creep-Faktor eines THE CUBE erreicht wird, ist das Geschehen smart genug inszeniert, um spannend zu bleiben. Die Brutalität gerät jedenfalls nie zum Selbstzweck, besonders da sie, wenn sie durch die Handlung nötig wird, schnell, vorwarnungslos und ohne voyeuristischen Kameraeinsatz abgehandelt wird.

Drehbuch und Inszenierung muss man einige Schnitzer (Tagtraumsequenz) und stellenweise simple Mechanismen vorwerfen. Stellenweise hält sich der Plot für intelligenter, als er ist, und versucht Aha-Effekte zu erzwingen, die nicht wirklich zünden wollen. Auch innerhalb des Zimmers bleibt eine fühlbare Eskalation aus, die Distanz bleibt gewahrt. Das fordert Zynismus heraus, lenkt aber auch davon ab, dass das Geschehen klug konstruiert wurde.
Die beklemmende Atmosphäre springt trotz regelmäßiger Blicke »hinter die Kulissen«, die dem Zuschauer gewährt werden, über. Dank jener Zweigleisigkeit können zudem einige der Manipulationen kurz angesprochen bzw. erklärt werden, was auch die Szenen außerhalb des Zimmers für Fans derartiger Thematiken interessant macht. Um nichts zu verraten, sei als Vergleich das kalte, übelriechende Essen erwähnt, dass den Bewerbern bei THE METHOD serviert wird, um deren Reaktionen zu testen und ein Gefühl der Unbehaglichkeit zu provozieren. Auch die Fragebogen-Szene in MEN IN BLACK oder die Bunker in LOST drängen sich hier ins Gedächtnis.

Als weiteres Resultat des nicht vollends ausgereiften Drehbuches mangelt es den Figuren ein wenig an Profil. Die gut gecasteten Darsteller verkörpern ihre Rollen professionell genug, um diesen Aspekt abzuschwächen, die einzige Ausnahme und zugleich größten Gewinn bildet aber die Besetzung von Peter Stormare (FARGO, CONSTANTINE, HORSEMEN), der dem leitenden Doktor Phillips genau die richtige Mischung aus Kälte, Schwere, Süffisanz und Berechnung verleiht, die diese Figur benötigt. Ungeachtet dieser positiven Elemente bleiben Zweifel zurück, ob der Film in einer versierteren Hand nicht noch deutlich mehr hätte werden können als ein smarter, kleiner Horrorfilm. Das mag daran liegen, dass man nie so recht ans Überleben auch nur eines Teilnehmers glauben mag, oder an dem praktisch nicht nachvollziehbaren, inneren Konflikten der Psychologin. Die Schuld dafür ist aber mehr bei Regisseur Jonathan Liebesman zu suchen, dessen bisherige Genrearbeit wohl kaum ausreichend Vorbereitung für einen echten »Mindfuck-Movie« war.

Wie eingangs erwähnt, ist zu erwarten, dass THE KILLING ROOM in den Bewertungen schlecht wegkommen wird. Ob er das auch verdient, bleibt anzuzweifeln, denn die solide Leistung wird durch den erwachsenen Umgang mit der notwendigen Gewalt massiv aufgewertet. Somit kann man den Film allen empfehlen, die sich für die Thematik interessieren, ohne etwas ähnliches studiert zu haben, von dem Übermaß an Brutalität in modernen Horrorfilmen aber sonst abgeschreckt werden.

Klein, aber fein.

Fantasy Filmfest 2009 – Film 2


 

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