In the electric mist.

In the electric mistDie Leiche einer Prostituierten wird im Sumpf nahe der Südstaaten-Kleinstadt New Iberia gefunden. Der Vietnam-Veteran und gealterte Detective Dave Robicheaux (Tommy Lee Jones) geht den Spuren und Verdächtigen nach, die ihn recht bald zu einem alten Bekannten führen: Seinem ehemaligen Freund Julius »Baby Feet« Balboni (John Goodman), dessen Verbindungen zu der Mafia die beiden vor langer Zeit voneinander entfremdet haben. Dieser ist mittlerweile ein einflussreicher Geschäftsmann und hat sich kürzlich im Rahmen einer Filmproduktion wieder in der Gegend niedergelassen.

Was Robicheaux jedoch viel mehr aus der Bahn wirft, ist das in eine schwere Eisenkette verstrickte Skelett, das bei Dreharbeiten zu besagtem Film im selben Sumpf gefunden wird, denn es erinnert ihn an ein ungesühntes Verbrechen, dass er in seiner Jugend bezeugte. Als ihm auch noch ein konföderierter General der amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in Visionen erscheint, begibt sich Robicheaux allmählich in ein Zwielicht, in dem sich ihm zwar wichtige Hinweise erschließen, in dem er aber auch Gefahr läuft, Selbstkontrolle und Realitätsbezug zu verlieren.

Ein Kerl von altem Schrot und Korn. Der Schnaps steht auf dem Boden.

Ein Kerl von altem Schrot und Korn. Der Schnaps steht auf dem Boden.

Manche Filme verlieren mit jedem Tag, der nach Kinobesuch verstreicht, etwas mehr von ihrem Flair. Die Romanverfilmung IN THE ELECTRIC MIST ist solch ein Fall und auf seine Weise genauso schwierig wie die Verbrechen, von denen er erzählt. Das malerische Setting und die guten Darsteller stehen einem inkohärenten Tempo und einer in fortschreitendem Maße befremdlichen Handlung gegenüber, denen man gut anmerkt, dass sie in Form eines Romans wahrscheinlich deutlich besser funktionieren würde.

So sind die Visionen, die Detective Dave Robicheaux (Tommy Lee Jones) an seiner geistigen Verfassung zweifeln lassen, zwar atmosphärisch, wirken aber auch entbehrlich und im Bezug auf den übrigen Plot etwas aufgesetzt. Es liegt mir fern, mich über Mystery-Komponenten in Filmen zu beklagen, hier wirkt das ganze aber in weiten Teilen irrelevant und zu gewollt. Hier wäre eine – zumindest parallele – Verzerrung der Wirklichkeit, wie man sie beispielsweise in vielen der Episoden in APOKALYPSE NOW erlebt, die bessere Wahl gewesen.

In den letzten Jahren wurden Johns Rollen seinem Nachnamen selten gerecht.

In den letzten Jahren wurden Johns Rollen seinem Nachnamen seltener gerecht.

Dem gegenüber stehen brillante Konfrontationen von Jones und Goodman, die den wesentlichsten Beitrag dazu stellen, dass der Film während seiner Laufzeit wirklich Freude macht. Man sollte sich nur darauf vorbereiten, neben diversen klassischen Film-Noir Elementen auch ein Ende vorgesetzt zu bekommen, dass im besten Fall viel Mitdenken erfordert, im schlimmsten für Verwirrung und emotionale Distanz sorgt.

Ein anspruchsvoller Krimi mit tollem Titel, der angenehm anzusehen ist, dessen Geschichte ab der zweiten Hälfte jedoch zu beliebig und konfus wirkt. Da davon auszugehen ist, dass dieses Manko der umfangreicheren Buchvorlage nicht anhaftet, sollte man besser in Lektüre investieren und auf den nächsten Noir-Film warten.

Vom Genre ist man konfuses, aber auch durchaus Besseres gewohnt.


TM, 12.09.2009