New Town Killers.

New Town KillersGroßstadt-Teenager Jamie (Alastair Mackenzie) steht mit einem Bein in der Gosse. Er lebt mit seiner älteren, kaum lebensfähigen Schwester in einem kleinen, miesen Appartement in einem der Wohnblockghettos am Rande von Edinburgh. Kein Job, keine Perspektive, keine Zukunft jenseits der nächsten, verzweifelt durchfeierten Party.
Als er erfährt, dass seine Schwester bis zum Hals in Schulden steckt, die sie in unmittelbarer Zukunft durch Drogenschmuggel abarbeiten soll, macht sich blanke Verzweiflung in ihm breit. Da kommt das Angebot, das er unvermittelt auf einer Restauranttoilette von zwei gelackten Bankern (Dougray Scott und Alastair Mackenzie) erhält, gerade recht: Wenn er es schafft, sich eine ganze Nacht vor Ihnen zu verstecken, ohne dass sie ihn kriegen, erhält er als Belohnung exakt jene Summe, die er braucht. Widerwillig und mangels Alternativen nimmt er an. Dass die Sache nicht koscher und die Übereinstimmung von aktuellen Umständen und versprochener Summe verdächtig ist, wird ihm in ihrem vollen Ausmaß wieder bewusst, als er wirklich versteht, was die beiden mit »kriegen« eigentlich meinen.

Was die Vermieter einem heutzutage als Balkon verkaufen wollen, ist echt ein Witz.

Was die Vermieter einem heutzutage als Balkon verkaufen wollen, ist echt ein Witz.

Sie gehen in der Dauerbeschallung der Blockbuster-Werbung viel zu häufig unter: Die kleinen, smarten Filme, wie sie insbesondere die britische, irische und kanadische Filmindustrie in den vergangenen Jahren zunehmend hervor gebracht hat. Man darf fast sagen, dass diese Länder heute die Rolle einnehmen, die in den 90ern der französische Film innehatte, aus dessen Richtung in letzter Zeit aber zu viel konventionelle Krimi-Kost herüber schwappte.

NEW TOWN KILLERS ist ein gutes Beispiel für beschriebene Importware: Ein aufs Wesentliche beschränkter, in 90 Minuten problemlos erzählbarer Stoff, ein kleines aber klug gecastetes Darstellergrüppchen und ein überschaubares Budget, von dem mehr in den Soundtrack geflossen sein könnte als in Ausstattung und andere Produktionswerte.
Das Ergebnis ist eine höchst ansehnliche, rasant inszenierte Hatz, die den Figuren zwar kein breites emotionales Spektrum und keine charakterliche Tiefe abverlangt, aufgrund des hohen »Was würde ich tun«-Faktors und der hohen »Greifbarkeit« von Ort und Atmosphäre über die volle Laufzeit zu fesseln weiß.

Leider entgleist Drehbuch und Regisseur das Ende. Der Showdown wirkt erzwungen und büßt durch Inhalt und Ausstattung eben jene Glaubwürdigkeit ein, die ihm zuvor zum Vorteil gereichte. So haftet der finalen Konfrontation der beiden Hauptdarsteller der Mief einer TV-Produktion an, die im Abendprogramm von ARD und ZDF besser aufgehoben wäre als auf der großen Leinwand. Das ist schade, glücklicherweise aber nicht so nervtötend, dass die Freude über die voran gegangene Stunde in einem Maß gemindert würde, welches den positiven Gesamteindruck wesentlich schmälert.

Heul ruhig. Ist doch ein Weinkeller.

Heul ruhig. Ist doch ein Weinkeller.

NEW TOWN KILLERS kann von Musikjunkies, INTRO-Lesern und anglophilen Thrillerfans bedenkenlos besucht, ausgeliehen oder gekauft werden. Für den Handlung und Beweggründe stärker hinterfragenden Rest gibt es die Schulnote 2 mit einem kleinen, aber fett gedruckten Minus dahinter.

Interessant ja, brillant nein.


 

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