Wie heißt es so schön? »Auf der Alm, da gibt’s ka Sünd?« Pfeifendeckel! Treffender wäre: »In Tirol dreht gleich ein Gastwirt hohl« – jedenfalls wenn eine neugierige Göre auf der Suche nach ihrer verschwundenen Freundin auf ein wohl gehütetes Geheimnis stößt.
Aber fangen wir von vorne an:
Nach den Ereignissen im Vorgänger lebt die junge Nina (sehr blond, aber auch sehr ernst: Sabrina Reiter) in Wien, wo sie die grausamen Ereignisse zu vergessen versucht, die sie vor eineinhalb Jahren einen guten Teil ihrer Schulkameraden kostete (Sommerschlussverkauf bei H&M? Fast.). Diese Ereignisse haben mit der Leiche zu tun, die zu Filmbeginn aus einem See gezogen wird, und deren Entdeckung bei Nina unliebsame Erinnerungen wieder aufwühlt.
Immer noch keine Ahnung, worum es geht und was das alles soll? Macht nichts, schließlich spielt der Vorgänger über seine Rolle als Titelgeber hinaus kaum bis keine Rolle für diese Fortsetzung, genauso wenig wie die Prämisse sonderlich relevant für das nachfolgende Geschehen scheint. Der uneingeweihte Zuschauer erhält genug Zeit, sich an die Hauptdarstellerin zu gewöhnen, bevor diese einen Notruf von Mona, ihrer damaligen besten Freundin, erhält. Das muss reichen.
Von der Meldung über den grausigen Fund in eine krude Form von Nostalgie versetzt und somit für fixe Ideen empfänglich, beginnt Nina spontan mit der Suche nach Mona, der, dessen ist sie sich sicher, etwas unfassbar Schlimmes zugestoßen sein muss. Die Suche führt sie in die Berge, genauer gesagt auf einen abgelegenen Hof, auf dem das einzig Unschuldige der Schnee ist, der die Hänge bedeckt.
Und der färbt sich bald rot.
Als Einstein von der Dummheit des Menschen sprach, hatte er noch keinen modernen Horrorfilm gesehen. Angesichts solcher stellt sich nämlich die Frage, ob er seine berühmt gewordene Aussage nicht noch drastischer formuliert hätte. Denn während ein guter Horrorfilm zeigt, wie sich normale Menschen angesichts unvorstellbaren Grauens und schrecklicher Gewalt verhalten und verändern, und man im Idealfall auf ein glückliches Ende für jene Figuren hofft, so fällt es hier, bei diesem Film, sehr schwer, in dem Schicksal der Hauptfigur etwas anderes zu sehen als die gerechte Strafe für unfassbare Idiotie.
Dieser Aspekt ist insbesondere dem Slasherfilm nicht fremd, wird hier aber auf subtile Weise auf die Spitze getrieben. Woanders sind es Alkohol, Drogen und Hormone, die eine Gruppe grenzdebiler Dampfnasen mit mangelnder Blutzirkulation im Schädel in die Fänge garstiger Häscher treibt, hier ist es ein einziges Mädchen, das auf seiner Suche sämtlichen Unsinn im Alleingang ersinnt. Dabei begeht sie eine schwere Dummheit nach der anderen, die sich verstärkt bemerkbar machen, da sie von einer Figur ausgehen, die ruhig und beharrlich Spuren verfolgt, also im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte scheint. Wenn eine einzige Figur in weniger als einer Stunde Spielzeit mehrfach Hausfriedensbruch begeht, kann es nicht mehr überraschen, wenn sie dabei früher oder später – und in diesem Fall fast sprichwörtlich – in der Scheiße landet.
ACHTUNG SPOILER
Der Film versucht all dies nachträglich durch den abschließenden Twist zu legitimieren, indem der Figur ein Trauma untergejubelt wird, dass solch ein Verhalten erklärt. Da liegt das Kind, wie man so sagt, aber schon längst im Brunnen. Selbst als Genrekenner mit der Bereitschaft, Idiotie mit dem (erwiesenermaßen) eigenartigen menschlichen Verhalten in Extremsituationen zu erklären, lässt sich da nichts mehr machen.
SPOILER ENDE
So ersticken die guten Ansätze (solide Kamera, gute Darsteller, schönes Setting, interessante Grundstimmung) in der Beliebigkeit erzählerischen Unfugs. Das Ignorieren manch eines ausgetreten Genre-Pfades ist löblich, führt letztlich aber nur in eine Irre, die auch mit Gewalt garniert schon während der Laufzeit zu langweilen beginnt. Das lahme Finale rundet den Hüttenkäse ab.
Tirol ist sicher eine Reise wert, dieses Horrordrama kaum den Fußweg zur Videothek oder DVD-Börse.

