Radio Rock Revolution.

Radio Rock Revolution / Pirate Radio / The Boat That Rocked.Schließt ein waschechter Gute-Laune-Film eine erwähnenswerte Handlung aus? Im Falle von RADIO ROCK REVOLUTION aka THE BOAT THAT ROCKED aka PRIATE RADIO, ist die Antwort ein klares »Ja«. Die Geschichte, wenn man sie denn als solche bezeichnen möchte, ist kaum der Rede wert: Eine Gruppe charismatischer Chaoten betreibt auf hoher See einen Piratenradiosender, dessen Treiben die stockkonservativen Regierungsvertreter, allen voran Sir Alistair Dormandy (Kenneth Branagh)  und sein Lakai Twatt (Jack Davenport), mit allen Mitteln Einhalt gebieten wollen.

DAS ist es, was ein blindes Huhn tatsächlich findet. Einen fetten Hahn.

DAS ist es, was ein blindes Huhn tatsächlich findet. Einen fetten Hahn.

Jegliches Tun und Lassen der Antagonisten spielt sich dabei auf einem ähnlichen Niveau und mit vergleichbarem Tiefgang ab wie das der Lehrer in den »Lümmel«-Filmen oder einer Highschool-Serie wie Parker Lewis. Man muss schon das richtige Alter oder ein nostalgische Ader haben, um viel Freude daran zu haben, wenn die Coolen stets und primär deshalb triumphieren, weil sie cool sind, nicht aufgrund dessen, was sie tun, und die Spießer sich arg ärgern, wenn sie den Coolen nichts anhaben können, obwohl sie es auch nicht wirklich versuchen. Beizeiten wirkt es fast, als habe der Festland-Part des Films gar keinen Bezug zum Hochsee-Teil, den ein echter Konflikt findet gar nicht statt. Wichtig ist nur der Spaß, den die Musikrebellen auf ihrer schwimmenden Kommune haben, und der Abgleich mit der Tristesse, in der die Spaßverderber vegetieren.

Diese Unschuld, die man auch Naivität nennen kann, sollte man eilig wiederentdecken, wenn man an THE BOAT THAT ROCKED Gefallen finden will. Andernfalls drängt sich die Erkenntnis auf, dass es nur solange witzig und interessant ist, anderen beim feiern zuzusehen, wie man sich nicht daran erinnert, das man auch feiern gehen und selbst etwas erleben könnte, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen.

Zeit, das Ruder ein Stück weit herum zu reißen. Glücklicherweise gibt es drei Aspekte, die das Boot bis zum furiosen Finale vor dem Untergang retten. Zum einen natürlich der Soundtrack, der den gesamten Film dominiert und in seinen besten Momenten sogar Dialoge überflüssig macht. Zahl und Spektrum der Lieder sind gigantisch, der Soundtrack umfasst nicht umsonst 2 CDs, die komplett ohne Instrumental-Score auskommen. Des weiteren und in nicht minder erschlagender Fülle versetzt die Zahl bekannter Gesichter in Freude und Erstaunen. Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy, Nick Frost und Chris O’Dowd legen eine Spielfreude an den Tag, die immer wieder für den Mangel an Dimension im Bezug auf die Figuren entschädigt. Zu guter Letzt entstehen durch die Verbindung der beiden vorangegangenen Faktoren durchaus ein paar Szenen, die in lebhafter Erinnerung bleiben, und dem Film somit eine Nachhaltigkeit verleihen, die er eigentlich nicht haben dürfte.

Ob ein echtes Nachempfinden des besonderen Charmes und der kulturellen Bedeutung, die Radio damals innewohnte, auf Seiten des Zuschauers möglich ist, wird durch dessen Alter, Musikgeschmack und Vorbildung entschieden werden. Für sich genommen ist THE BOAT THAT ROCKED ein netter Feelgood-Movie, der, wenn er einen nicht sofort vereinnahmt, trotz all der schrägen Typen und durchaus witzigen Szenen jedoch eher wie ein zu lang geratenes Werbevideo für den beachtlichen Soundtrack wirkt.

Unterm Strich? Ein Musikfilm, den man mögen, ja sogar dafür lieben kann, was er ist, der aber bei nüchterner Betrachtung keiner Kritik stand hält. Im Zweifelsfall selber eine 60er-Jahre-Party schmeißen und je nach Bekanntenkreis Film oder Soundtrack dazu laufen lassen. Macht in jedem Fall mehr Spaß.


TM, 04.11.2009