Bronson.

bronson1Was für ein Genre oder Stil bietet sich an, wenn man das Leben des »gewalttätigsten Gefängnisinsassen Großbritanniens« verfilmt, der den Großteil seines erwachsenen Lebens in Haft verbracht hat? Ein Biopic wie IM NAMEN DES VATERS? Eine kammerspielhafte Charakterstudie wie DER TOTMACHER? Ein lupenreiner Gefängnisfilm wie DIE VERURTEILTEN oder doch eher ein Kunst-Schocker wie UHRWERK ORANGE? Letzteres muss Ziel gewesen sein, was auch – beginnend im grandiosen Trailer – gerne deutlich gemacht wurde. Doch gerade im Vergleich mit Kubricks Klassiker zeigt sich, welches Dilemma dem Film letztlich echte Relevanz verwehrt.

Schön, wenn einen morgens ein freundliches Lächeln begrüßt.

Schön, wenn einen morgens ein freundliches Lächeln begrüßt.

Charles Bronson, der mit bürgerlichem Namen Michael Petersen hieß, ist zweifellos eine interessante Figur. Von dem ungeklärten, im Film mit dem Wunsch nach Berühmtheit abgehandelten Trieb abgesehen, der einen Mann in solch ein Leben drängt, zeigt sich das Besondere vornehmlich im Detail, wie zum Beispiel dem Umstand, dass Bronson trotz diverser Geiselnahmen und mindestens einem Mordversuch doch kein pathologischer Mörder war. Auf der anderen Seite ist die hohe Gewaltbereitschaft, das rigorose Training kombiniert mit der völligen Missachtung des eigenen, leiblichen Wohlergehens kaum anders als mit einer ordentlichen Psychose zu erklären.

Der bislang eher auf Actionfilme abonnierte Regisseur Nicolas Winding Refn versuchte, diese Mischung aus Gewalt und Irrsinn mit den – eben auch aus CLOCKWERK ORANGE bekannten – Elementen zu inszenieren und so beim Zuschauer Faszination für die Figur zu wecken. Ein Voice-Over der Hauptfigur führt durchs Geschehen und gibt Einblicke in das vermeintliche Weltbild des Protagonisten. Bunte Farben und eine historisch korrekte, jedoch stark stilisierte und überspitzte Ausstattung und Garderobe sorgen für den visuellen Verfremdungseffekt. Hinzu kommt noch die bekannte Unterlegung von Gewaltszenen mit einem antithetisch gestalteten und aus zeitgenössischen Songs zusammengestellten Soundtrack.

Im Frühtau, die Berge, sie zieh'n, fallera...

Im Frühtau, die Berge, sie ziehn, fallera...

All die Zutaten für einen Kultfilm sind also vorhanden, dennoch verkommt das Ergebnis trotz brillanter Theater-Einlagen, in denen Bronson in Clown-Maske die Episoden seines Lebens anmoderiert, zu reiner Unterhaltung. Ein richtiges Erschrecken, die Nachhaltigkeit eines echten Konventionsbruchs, die innerliche wie gesellschaftliche Kontroverse einer wahrlich provokanten Vision, will sich nicht so recht einstellen. Somit ist BRONSON gerade durch den Mangel an Eindruck, den er in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 hinterlassen wird, ein Kommentar auf den kulturellen und sozialen Zustand unserer Gesellschaft, und sollte uns durchaus zu denken geben.
Für sich genommen ist der 90-Minüter aber nur ein leicht befremdlicher, sporadisch kreativer Spaß mit einigen tollen Einfällen, interessanter Optik und einem Hauptdarsteller, der mit seinem Spiel im Alleingang transportiert, was das Drehbuch vergeblich zu vermitteln versucht.

Wer Tom Hardy, unsere aktuelle Hoffnung auf eine erfolgreiche Wiederbelebung des MAD MAX Franchise, in absoluter Höchstform sehen will, kommt an BRONSON nicht vorbei. Wer sich ernsthaft für die Person Michael Petersen interessiert, wird gut unterhalten, schlussendlich aber enttäuscht.


 

1 Kommentar zu “Bronson.”

  1. Jan sagt:

    Gut geschrieben! Würde ihn mir dennoch bei Gelegenheit gerne mal ausleihen.

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