Eine einfache Methode, nach der sich die Qualität eines actionbetonten Films beurteilen lässt, ist, an welche Szenen man sich nach einigen Wochen oder Monaten noch erinnert. In zweiter Instanz gilt es zu unterscheiden, ob deren Einprägsamkeit aus der Handlung oder lediglich aus der gezeigten Action resultiert. Wie viele Momente aus TERMINATOR 2 bleiben bis heute unvergessen? Was beeindruckte an ALIENS? Wie detailliert könnte man STIRB LANGSAM nacherzählen – und wie viel Nacherzählungspotential hatte TRANSFORMERS?
THE INTERNATIONAL besitzt bestenfalls ein halbes Dutzend erinnerungswürdiger Szenen. Die ersten fünf Minuten, ein späteres Attentat, ein ausuferndes Feuergefecht im Guggenheim-Museum und der Showdown auf den Dächern von Istanbul. Viel mehr bleibt nicht hängen. Jedenfalls nicht von der Geschichte, die den Konspirations-Zug erst auf Volldampf bringt, nur um dann unbemerkt auf einen anderen zu springen, und sich fortan mit durchschnittlicher Actionkost zu begnügen. Warum man Komplexität suggerieren will, wenn man sie später nicht ergründet, bleibt ebenso unverständlich, wie der Plot es auf diese Weise zwangsläufig werden muss.
Versöhnlich stimmen die Hauptdarsteller. Clive Owen und Naomi Watts nudeln zwar ihr Standard-Repertoire herunter, wirken jedoch stilsicher genug, um damit zu überzeugen. Wer die beiden Darsteller mag, bekommt ausreichend Mienenspiel und Eye-Candy geboten, um über die Irrelevanz ihres Handelns hinwegzusehen. Armin Müller-Stahl liefert ebenfalls einen Aufguss von Bekanntem und wirkt stellenweise von Cronenbergs EASTERN PROMISES abgepaust.
Tom Tykwers THE INTERNATIONAL ist beileibe kein schlechter Film. Er unterhält über weite Strecken souverän und gleicht seine Geschwindigkeit auf interessante Weise dem an, was man vom durchschnittlichen Kinopublikum an einem Samstagabend an Geduld erwarten darf. Heimkinogänger, die mehr Aufmerksamkeit mitbringen, sollten sicherstellen, dass gerade keine vielversprechenderen Alternativen verfügbar sind. Da sich das Genre im vergangenen Jahr nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, kann THE INTERNATIONAL mit der entsprechenden Erwartungshaltung wenigstens als Füllfilm dienen.

