Drag me to hell.

Ungeachtet der Gefahr, von Experten eines Besseren belehrt zu werden, sei die Behauptung in den Raum gestellt, dass kaum ein Filmgenre so viele Unterkategorien kennt wie Horror. Soweit, so dreist. Aber es kommt noch schlimmer. Der Einfachheit halber – und nicht zuletzt der nachfolgenden Argumentation wegen – möchte ich all diese Subgenres, ihre jeweiligen Charakteristika missachtend, in zwei grobe Klassen unterteilen.
Auf der einen Seite die Filme, in die man ein Date oder einen schreckhaften Partner mitnehmen würde. Ein halbgruseliger Streifen macht mehr Laune, wenn man jemanden dabei hat, der (mehr oder minder) genüsslich quiekt. Was zählt, ist die gemeinsame Freude an leichter, massenkompatibler Kost, nicht die Effektivität des geschilderten Grauens.

Der ernüchternde Anblick nach der durchzechten Nacht beendete endgültig ihre "bi-curious"-Phase.

Der beste Grund dafür, sich vor dem schlafengehen abzuschminken.

Auf der anderen Seite wären jene Filme, an die man sich bevorzugt allein wagt, oder die man gleich auf DVD ansieht, weil man den Horror voll auskosten möchte. Weil die kalte Dusche für das Gehirn, die ein richtiger Schocker zu verabreichen versteht, ihre volle Wirkung am Besten entfaltet, wenn man sich vollständig im Film verliert. Was zählt, ist, dass das Geschehen einen am Schlafittchen packt und zwei Stunden in die Mangel nimmt.

Natürlich scheitert dieses Prinzip insofern an der Wirklichkeit, da es in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger wurde, zu definieren, was thematisch und an Drastik gemessen noch gesellschaftstauglich ist. Torture Porn sei Undank.
DRAG ME TO HELL zählt jedoch definitiv zur ersten Kategorie und ist mit seiner FSK16 Freigabe auch für sensiblere Gemüter geeignet. Die simple Geistergeschichte auf Groschenheftniveau motiviert eher durch ihren Trashfaktor als mit Spannung zum wohligen Schaudern. Von einer befremdlichen Faszination für Körperflüssigkeiten, insbesondere Speichel, abgesehen, bekommt man kaum etwas gezeigt, das einen nachhaltig ekelt, auch wenn man zugestehen muss, dass sich die Spezialeffekte redlich Mühe geben. Genau diese werden aber auch zu Stolpersteinen, wirken sie doch stellenweise viel zu aufgesetzt und künstlich, um ein verwöhntes Publikum zu überzeugen.

Seit THE DARK KNIGHT muss alles düster sein. Sogar Schlammcatchen.

Das Motto »Kitsch as Kitsch can.« gilt auch für die Handlung, die erfreulich leichtfüßig voranschreitet und sich selten scheut, Klischees genüsslich auszuloten. Wirklich schräg wagt sich das Drehbuch allerdings nicht zu werden, wodurch mehr der Eindruck einer Hommage als einer Persiflage entsteht. Dies mag durchaus Regisseur Sam Raimis Absicht gewesen sein, bringt den Film jedoch beinah zu Fall. Die erzählerischen Haltestellen werden so routiniert und uninspiriert abgeklappert, dass sich trotz der kurzen Laufzeit wiederholt Langeweile einstellt. Zudem wirken manche Reaktionen der Figuren so unfassbar unglaubwürdig, dass sich die Genrezugehörigkeit auf negative Weise bemerkbar macht.

Und das war es dann auch schon. Das Finale auf dem Friedhof bringt den Film doch noch auf eine Geschwindigkeit, die Laune und etwas vom im Mittelteil verlorenen Boden wettmacht.

Dem Filmgott muss zugestanden werden, dass man den Film zweifelsohne als Horrorspaß mit trashigem Charme bewerten kann. Doch greift auch ein anderer Vergleich: Mehr als einen cineastischen Rundgang durch eine alte Geisterbahn sollte man nicht erwarten.


 

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