Tödliches Kommando. / The hurt locker.

Was für eine Rezeptur: Die letzten Tage eines Bombenräum- kommandos im Irak, in gut 2 Stunden zusammengefasst. Keinerlei Handlung, die den Namen verdient hätte, bis auf wenige, kurzlebige Nebenfiguren kaum einprägsame Charaktere und eine stellenweise semi-dokumentarische, oftmals billig wirkende Kameraführung – ideale Voraussetzungen für einen inhaltsleeren, langweiligen Streifen, dessen Bestimmung die Grabbelkisten der Discounter sind.

Worst. catwalk. ever.

Umso erstaunlicher, was den Zuschauer tatsächlich erwartet. Hinter dem unglücklich übersetzten B-Movie-Titel verbirgt sich in Wirklichkeit der effektivste Actionthriller seit Langem. Regisseurin Kathryn Bigelow und Drehbuchautor Mark Boal ist das Kunststück gelungen, einen erzählerisch ungemein banalen Stoff so effektiv zu inszenieren, dass man über zwei Stunden gebannt auf dem Sofarand hockt und den Blick kaum vom Geschehen zu lösen vermag. Dabei werden ausschließlich und episodenhaft einzelne Einsätze aneinandergereiht, deren Eindringlichkeit und Intensität aber zu keiner Sekunde unter den genannten Absenzen leiden. Im Gegenteil, die Atmosphäre allgegenwärtiger Bedrohung sowie die grauenvolle, unvorhersehbare Beliebigkeit von Tod und Gewalt erreichen auf diese Weise ein Niveau, den beinahe der Sprung zum Doku-Drama gelingt, wird doch der Alltag des Bombenentschärfungskommandos auf abstrakte Weise greifbar.

Negativ zu verbuchen bleibt lediglich die Wackelkamera, die oftmals unnötig scheint. Als Entschädigung gibt es noch zwei bekannte Gesichter in Kleinstrollen, von denen zwar nur eine Daseinsberechtigung hat, aber beide erfreuen dürften. Fans werden die Auftritte zu knapp bemessen finden, angesichts der wenigen Zeit, die der Plot den Hauptfiguren widmet, ist es jedoch nur konsequent, sich auch hier aufs Wesentliche zu beschränken.

Ein Meisterwerk des Suspense-Kinos, dem hoffentlich in Videotheken ein nachhaltigerer Erfolg beschieden ist, als die Präsentation hinsichtlich Titel, Packung (nicht die oben  gezeigte) und Trailer verdient.


TM, 12.02.2010