Es ist mal wieder Zeit für eine neue Regel, also aufgemerkt: Je schicker der Trailer für einen Genrefilm wirkt, desto beschissener ist wahrscheinlich das abendfüllende Endergebnis. Spontan denke ich hier an UNDERWORLD und 28 WEEKS LATER. Seit kurzem auch an DAYBREAKERS.
Zugegeben: Ich hab es mit Vampirfilmen nicht so. Wie mittlerweile auch bei Zombiefilmen muss ich darauf achten, ein gewisses »Film/Jahr«-Pensum einzuhalten, da aus wiederholter Enttäuschung sonst Abneigung, später physisch spürbarer Widerwillen wird. Bei DAYBREAKERS, einem postapokalyptischen Vampirstreifen mit Sam Neill, Willem Dafoe und Ethan Hawke, schien es an der Zeit, sich zu überwinden. Das Ergebnis waren gut zwei Stunden gequältes Herbeisehnen eines Abspanns, der einfach nicht kommen wollte.
Zugegeben 2: Die Besetzung war eine Warnung, die man nicht hätte ignorieren dürfen. So sehr ich Neill, Dafoe und Hawke auch mag, jeder von ihnen hat bei seiner Filmwahl mehr als nur einmal heftig enttäuscht. Im Fall von Neill und Dafoe sollte man sogar von einem Abgleich absehen, das Resultat könnte ernüchternd sein.
Was hat der Film also zu bieten, abgesehen von einem Titel, den man wörtlicher kaum nehmen kann (jedenfalls, wenn man sich den Tag kaputt machen will). Die Ernüchterung setzt quasi bereits mit dem Kennenlernen den Protagonisten ein. Die aufgesetzte Schwermut von Hawkes Charakter (Name schon wieder vergessen) nervt, lange bevor sich die Handlung als absoluter Quark enttarnt. In gewissem Sinne erinnert seine Passivität an das extrovertierte Leiden von Brad Pitts Charakter Louis de Pointe du Lac (übersetzt: Louis, dem die Daseinsberechtigung fehlt) in INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR. Als Hauptfigur eine denkbar schlechte Wahl, die darin resultiert, dass man sämtlichen Nebenfiguren – selbst den Antagonisten – mehr Dialoge und zum Teil auch mehr Erfolg in ihrem Bemühungen wünscht. Abgesehen davon sieht es auf deren Seite aber nicht viel sonniger aus.
Sam Neill darf mal wieder finster sein, versteckt sich aber hinter der blassen Schminke und trägt seine banalen Zeilen mit einer Zufrieden- und Gelassenheit vor, der man fast anmerken kann, wie sehr es ihn beruhigt, seine Karriere in trockenen Tüchern und nicht von diesem Film abhängig zu wissen.
Willem Dafoe als Widerstandskämpfer scheint komplett austauschbar, vor allem da sein Sprechtext ein paar der generischsten, bemühtesten One-Liner enthält, die der Film zu bieten hat. Seine Inszenierung als »coole Sau« ruft leider nur in Erinnerung, um wie viel besser James Woods in JOHN CARPENTERS VAMPIRES diesen trashigen Archetyp im Griff hatte.

Gar nicht so selten: Eine ménage à trois in der Partnerberatung. Scheint aber ein recht hoffnungsloser Fall zu sein.
Die Handlung selbst ist kaum einer Erwähnung wert, soll der Fairness halber aber knapp erläutert werden, also: Vampire haben die Menschheit versklavt und nutzen sie als Zapfsäulen. Die fortgeschrittene Technik erlaubt eine voll automatisierte Ernte, eingegliedert in ein schattenhaftes Abbild unserer kapitalistisch geprägten, modernen Zivilisation. Als sich die Menschheit der Ausrottung nähert, die Blutreserven zu Neige gehen und immer mehr Vampire aus Blutmangel zu Monstern degenerieren, wird die Bevölkerung zunehmend unruhig. In der wachsenden Verzweiflung gerät ein standhafter Blutforscher (Hawke), der sein Dasein als Vampir verabscheut und mit dem Finden einer Ersatzlösung betreut ist, an eine Zelle menschlicher Widerstandskämpfer, angeführt von einem »ehemaligen« Vampir (Dafoe), die ihn für sich gewinnen können und versprechen, ihn ebenfalls zurück zu verwandeln. Von sich, seiner Rasse im allgemeinen und seinem Boss (Neill) im speziellen angewidert, verbündet sich Hawke mit Dafoe und nimmt den Kampf für – oder gegen, je nachdem – sein eigenes Volk auf.
Das hier im Kleinen wie im Großen mit dem breiten Pinsel gearbeitet wird, dürfte nicht überraschen. Was aber erstaunt, ist die Dreistigkeit, mit der interessante Themen in irrwitziger Knappheit abgehandelt oder quasi links liegen gelassen werden, während die banale Hatz, das Hin und Her der verfeindeten Parteien, auf die von durchschnittlichen Actionfilmen zu genüge bekannte Weise vor sich hin tröpfelt. Die Inszenierung krankt dabei am alten »Optik vor Inhalt«-Syndrom, denn Sätze, die nicht von einem Minderjährigen geschrieben scheinen, sind in etwa so knapp wie die Blutreserven 20 Minuten vor Filmschluss, als (Wenn das ein SPOILER ist, Pech) nur noch ein paar ausgelutschte Leichen an den Zapfsäulen hängen.
Um das Leid hier schneller zu beenden als der Film, sei eingestanden, dass nicht wenige Leute in der von mir besuchten Vorstellung den Saal mit einem breiten Grinsen verließen. Ich fühlte mich eher so, als hätte ich meine mehrstündige Zugfahrt mit überdrehten, dauerschnatternden Teenagern im selben Abteil hinter mir.
Wer die eingangs im Vergleich genannten Filme mag, und somit die letzten 2 Minuten mit anhaltendem Zweifel diese Kritik überflogen hat, mag durchaus auf seine Kosten kommen. Der Film wagt zumindest einen zaghaften Schritt in Bereiche des Vampirfilms, die noch nicht völlig ausgetreten sind. Wer allen Ernstes einen Film erwartet, der einem die Zähne zeigt, wird jedoch restlos enttäuscht.
THIRST bekommt noch eine Chance, dann ist wahrscheinlich Ruhe bis 2011. Danke, DAYBREAKERS.