Rund um die Jahrtausendwende, offenbar zu einer Zeit, als in gewissen Bevölkerungsgruppen ein gesteigertes Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Harmonie herrschte*, schafften es eine Reihe von Filmen auf die Leinwände mittlerer bis kleinerer Säle, die man herablassend als “Dorfkomödien” bezeichnen könnte. Filme wie LANG LEBE NED DEVINE und GRASGEFLÜSTER setzten auf frechen, aber leicht verdaulichen Humor sowie schrullige Charaktere, die in ländlichem Setting von charmant verrunzelten Darstellern verkörpert wurden.
Das kam gut an und wurde beinahe zu einem cineastischen Même, dessen Ausläufer noch Jahre später spürbar waren. Selbst heute beschert der Wunsch nach Landidylle und Culture Clash Komödien Filmen wie dem mies übersetzten WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS noch ein dankbares Publikum. Nüchtern betrachtet war CHOCOLAT jedoch der einzige Vertreter der “gentle comedies”, der dank großer Namen und süßem Thema nachhaltig Freude bereiten konnte. Selbst dieser findet heute jedoch bestenfalls noch in Frauenzeitschriften und Fernsehprogrammen Erwähnung.
KALENDER GIRLS gehört zu eben dieser Sorte Film, war aber damals (2003) schon fast ein Nachzügler. Sieht man ihn sich heute an, muss man zugeben, dass er weniger gut gealtert ist als seine Darsteller. Die komplett konfliktbefreite Story über eine Gruppe Hausfrauen, die für einen guten Zweck einen erotischen Kalender publizieren, in dem sie selbst die Models sind, plätschert mit einer Gelassenheit vor sich hin, die schon beinahe weh tut. Sämtliche Ansätze, die über die ach so drollige Prämisse hinausgehen, werden kurz angesprochen und dann links liegen gelassen. Dabei wären gerade Themen wie familiäre Spannungen in diesem Kontext – wenn nicht interessant – dann doch zumindest eigenständige Facetten abzugewinnen gewesen. Statt dessen begnügt sich das Drehbuch, die rüstigen Damen nach Hollywood zu schicken – ein Besuch, der sich die ganze Zeit über wie eine Montage anfühlt – und den dort “eskalierenden” Egotrip der Hauptdarstellerin (Helen Mirren) kurz darauf mit einem Blick und einem Lächeln wieder abzutun.
Was man aus dem Film für sich mitnehmen kann, ist die Erkenntnis, dass Helen Mirren in jeder Rolle cool wirken kann – was nach SHADOWBOXER aber sowieso niemand mehr in Frage stellen wird – und dass eine coole Sau wie Philip Glenister immer sympathisch wirkt, egal ob er einen chauvinistisch-bulligen Loner wie DCI Gene Hunt in Life on Mars oder – in diesem Fall – einen schüchternen, zurückhaltenen Hobbyfotografen spielt.
Außerdem in einer Nebenrolle: Ciarán Hinds (ROME, HALLAM FOE, THERE WILL BE BLOOD), dessen Charaktergesicht und Präsenz zu keiner Sekunde genutzt werden, der aber wenigstens der Rolle des verständnisvollen, wenn auch wenig begeisterten Gatten jene Authentizität verleiht, die ein Film wie dieser unbedingt benötigt, um wenigstens grundlegend zu funktionieren. Dass Männer in diesem Film ansonsten bestenfalls als kleine Widersacher oder große Kinder zur Verfügung stehen, untermauert den Eindruck, dass der KALENDER GIRLS lediglich für eine sehr spezielle, kleine Zielgruppe gemacht wurde.
Freunden des Genres bleibt zu hoffen, dass solche Filme in noch einmal 10 bis 20 Jahren jenen Unterhaltungswert zugesprochen bekommen, den man heute alten Heinz-Erhardt-Streifen und Lümmel-Filmen zugesteht. Wahrscheinlicher scheint, dass sie bis dahin in Vergessenheit geraten sein werden. In diesem Fall: Good riddance.
*Wann das nicht der Fall ist, vermag ich nicht zu sagen.