Das Wichtigste vorweg: Ich habe kein gutes Gefühl dabei, THE COLLECTOR zu empfehlen. Es ist ein kleiner, wenig innovativer Folter- Fallen-Film, der in keiner Kategorie, sei es Drehbuch, Inszenierung oder Technik, richtig überzeugt. An den Standards seines Genres gemessen, kann man ihm aber einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Dass er diesen maßgeblich daraus bezieht, im Gegensatz zu seinen Genossen nicht maßlos zu nerven, muss einem nicht gefallen, der Fairness halber aber kurz erwähnt werden.
Man ist ja einiges gewohnt. Figuren, deren Sprechtext einem mehr Schmerzen bereitet als der Anblick der grausigen Gewaltakte. Plotwendungen, denen Glaubwürdigkeit ebenso fremd ist wie den Schauspielern der Begriff “Mienenspiel”, und die charakterbezogene Motivation durch blanke Idiotie ersetzen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. THE COLLECTOR ist hier nicht viel besser. Nur ein wenig. Aber auf dieses Etwas kommt es durchaus an.
Natürlich ist die Prämisse, dass ein Serienmörder innerhalb weniger Stunden ein Haus mit einer solchen Vielzahl kruder Fallen präpariert, dass selbst ein ganzes Team von Handwerkern mehrere Tage damit beschäftigt wäre, alles zu installieren, vollkommen bescheuert. Dass in genau dieses Haus, an genau diesem Abend, ein Einbrecher einsteigt, ist hingegen witzig und wird – wenn auch mit einigen Abkürzungen – halbwegs glaubwürdig erklärt. Es reicht sogar noch für ein Sahnehäubchen in Form genervter One-Liner, die zur Abwechslung mal nicht peinlich gerieten, sondern jene Gedanken artikulieren, die einem auch als Zuschauer angesichts solcher Szenen durch den Kopf gehen.
Ähnlich verhält es sich mit dem weiteren Verlauf des Geschehens. Warum der Einbrecher (unsere Hauptfigur) nach Entdecken der Fallen, ersten Verletzungen und gerade mal so eben gelungener Flucht allen Ernstes noch einmal umdreht, wird knapp aber nachvollziehbar dargelegt. Hier – wie an ein paar anderen Stellen – hat sich das Drehbuch vorher abgesichert, und auch wenn die Art und Weise, in welcher derlei Erzähltechniken angewendet werden, oberflächlich und durchsichtig wie Frischhaltefolie ist, kann man nicht umhin, zur Kenntnis zu nehmen, dass hier Rücksicht auf Details genommen wird, um die sich Filmreihen wie SAW keinen Deut mehr zu scheren scheinen.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Abstand, mit dem THE COLLECTOR diese Klippen umschifft, ist äußerst gering. Dass es sich bei den Machern von THE COLLECTOR ironischerweise um jenes Team handelt, das sich auch für SAW IV bis VI verantwortlich zeichnet, sollte in ausreichendem Maß für sich sprechen und jeden Zweifel daran, um was für eine Art von Film es sich handelt, aus dem Weg räumen. Weitaus weniger intelligent als der erste SAW, aber auch nicht so abartig wie ein HOSTEL, lässt er jegliche Finesse und Rafinesse vermissen. Der Twist am Ende ist als solcher kaum zu erkennen, die Enthüllung des Täters uninteressant und ohne Konsequenz für die Bewertung des vorher gesehenen. Wer sich heute noch davon einschüchtern lässt, dass ein Täter vor seinen Greueltaten unentdeckt in der Nähe seiner Opfer agiert hat, hat in derlei Genre-Kino nichts zu suchen.
Man muss den Herren aber zugestehen, hier in kleinem Maß zu zeigen, was man im Genre sonst weithin vermisst: Ein wenig Zurückhaltung. Es werden weder neue Untiefen der Grausamkeiten ausgelotet, noch so lange mit der Kamera draufgehalten, bis auch dem letzten Dumpfhirn im Publikum übel ist. Den Hauptteil des Films nimmt das Katz- und Maus-Spiel zwischen Psychopath und Kleingangster ein, und auch wenn dieses vom Niveau her nicht über einem Tom und Jerry Cartoon liegt, fühlt man sich wenigstens nicht abgestoßen oder für dumm verkauft. Die Fallen sorgen hingegen in ihrer blanken Absurdität für den ein oder anderen Schmunzler, wie man ihn sich bei FINAL DESTINATION schon nicht verkneifen konnte.
Das ist nicht viel, und wie das Gesamtbild sowie die Auflösung am Ende befürchten lässt, wird auch nicht wesentlich mehr aus diesem neuen Franchise erwachsen als eine Reihe niedrig budgetierter Slasher. Zum Abschalten am einem regnerischen Abend, oder für Horrorfans, die Fallen noch nicht überdrüssig sind, kann man ihn aber – ne, ich trau’ mich doch nicht.
May 15th, 2010 at 2:53 pm
Hehe, hab ihn nicht gesehn und interessiert mich auch nicht, aber lustige Rezi!