Wenn es um Filme ging, fiel in letzter Zeit auf meiner Seite des Öfteren folgender Satz:
“Gemessen an dem, was er sein möchte, ist der Film gut.”, oder umgangssprachlicher “Für das, was er sein möchte, ist er in Ordnung.” Diese Aussage ist natürlich, von ihrer offensichtlichen Profillosigkeit abgesehen, ziemlich arrogant. Immerhin maßt man sich damit an, zu wissen, was in den Köpfen von Drehbuchautor und Regisseur, von Produzenten und Kameraleiter, vorgegangen sein mag. Auf der anderen Seite machen es einem manche Filme schwer, sich solche Unterstellungen zu verkneifen. OUTLANDER ist ein gutes Beispiel dafür, denn durchschaubarer kann man einen Film kaum mehr gestalten.
Es beginnt mit der nicht weniger als haarsträubenden Grundidee: Im Jahr 709 BC stürzt ein Raumschiff auf die Erde, genauer: in einen See nahe der Siedlungen zweier Wikingerstämme. Mit an Bord: Der letzte Überlebende der natürlich humanoiden Crew – und ein menschenfressendes, feuerspuckendes Monster, das ganz zufällig aussieht wie ein Drache. Als letzteres damit beginnt, sich über die regionalen Spezialitäten her zu machen, verbündet sich ersterer mit den Einheimischen, um den Tod seiner Familie zu rächen, die – wie Rückblenden berichten – beim intergalaktischen “Vorglühen” das Zeitliche gesegnet hat.
Das man bei einer solchen Inhaltsangabe entweder debil grinsen oder irritiert den Kopf schütteln muss, versteht sich von selbst. In jedem Fall genügt diese erste Reaktion, um zu entscheiden, ob man OUTLANDER ansehen sollte. Denn genauso absurd, wie die Geschichte klingt, so uninspiriert wird sie erzählt.
Natürlich wird der Gestrandete erst einmal richtig verkloppt, bevor man ihn in die Dorfgemeinschaft integriert. Natürlich wird die Siedlung von einem strengen, aber weisen König regiert, der dem Fremden erst mißtraut, dann aber später alles durchgehen lässt. Der König hat selbstverständlich auch eine gut aussehende, mutige Tocher, die eigentlich dem ersten Krieger des Dorfes zugedacht ist, sich aber null Komma nichts in den Immigranten verguckt. Der plötzlich uninteressant gewordene Anwärter auf die Thronfolge ist logischerweise eifersüchtig und versucht, den Helden bloßzustellen. Ein paar Actionszenen reichen ihm jedoch, sich mit seinem Schicksal abzufinden, sich mit dem Neuankömmling zu verbrüdern und im fulminanten Endkampf das Zeitliche zu segnen.
Ups. Sorry. Da kommen jetzt noch ein paar mehr von.
Das Drehbuch entblödet sich sogar, die Königstochter vom Drachen entführen zu lassen, der sie – im Gegensatz zu quasi allen anderen Opfern – nicht gleich zerfleischt oder abfackelt, sondern einfach in seinen Vorratskeller wirft, aus dem sie dann befreit werden muss. Habe ich schön erwähnt, dass der König im Verlauf des Films abkratzt? Nein? Dann ratet mal, wer die Nachfolge antreten wird…
Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat: OUTLANDER ist eine Ansammlung von Klischees, die so abgedroschen sind, dass man schon von einem anderen Planeten kommen muss, um sich von der vorangegangenen Inhaltsbeschreibung ernsthaft gespoilert zu fühlen. Auch wenn die Requisite für die Leichenberge Überstunden schieben musste, kann man nicht umhin sich vorzustellen, dass der Film im Nachmittagsprogramm besser aufgehoben wäre als auf einer DVD mit hoher FSK-Freigabe.
Man muss OUTLANDER jedoch auch zugestehen, dass er solide inszeniert ist und man ihm sein Budget – falls es daran mangelte – nicht ansieht. Die Effekte sind solide, wenn auch teilweise etwas “märchenhaft”, die Kostüme wirken ansehnlich und die Darsteller sind, wenn schon nicht gut, dann doch zumindest ihren Rollen angemessen besetzt. Unter den zahlreichen Bärten verstecken sich sogar ein paar bekannte Namen wie Ron Perlman und John Hurt, die dem Film nicht unbedingt Klasse geben, aber ganz sicher auch nicht schaden.
Was bleibt, erklärt den einleitenden Absatz: Ein objektives “Gut” hat OUTLANDER in keinem Fall verdient. Dafür ist er zu verzichtbar. Da der Film aber zu keinem Zeitpunkt versucht, sich als mehr oder besser zu verkaufen, als er eigentlich ist, kann man ihm nicht vorwerfen, sein Publikum zu enttäuschen. Wer als Kind die STORM-Comics gelesen hat, mag der Grundidee sogar eine nostalgische Note abgewinnen.
Wer “Der 13te Krieger” mochte und von “Reign of Fire” nicht total genervt war, kann OUTLANDER definitiv eine Chance geben. Der Rest sollte nicht mehr erwarten als entspannte Unterhaltung auf dem erzählerischen Niveau eines unterdurchschnittlichen Fantasy-Romans.