Where the buffalo roam.

Gut 18 Jahre bevor Johnny Depp in Terry Gilliams “Fear and Loathing in Las Vegas” den berühmten Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson auf höchst unterhaltsame Weise porträtierte, gab es einen Film mit dem wenig mitreißenden Titel “Where the buffalo roam”, der sich ebenfalls Thompsons Eskapaden widmete.  Hauptdarsteller war ein junger, aufstrebender Schauspieler, der sich mit seinen Auftritten bei Saturday Night Live bereits einen guten Namen gemacht hatte, und 4 Jahre später als Geisterjäger unsterblich werden sollte: Bill Murray.

Der mittlerweile ziemlich in Vergessenheit geratene Streifen konzentrierte sich weniger auf den weltbekannten Roman, der die erstgenannte Verfilmung betitelt, sondern versuchte sich an einem etwas umfassenderen Blick auf die Kultfigur Thompson. Dazu wurden einige repräsentative Momente und Lebensphasen mit fiktiven Elementen angereichert und zu einer fragmentarischen Pseudo-Biografie aufbereitet. Die so entstandene Mischung huldigt der Legende zwangsläufig mehr als dem Menschen, präsentiert aber dennoch ein breiteres Spektrum als Gilliams Fassung.

Das Ergebnis ist – besonders für heutiges Publikum – trotzdem eher irritierend als befriedigend, da ohne Hintergrundwissen kaum erfassbar ist, welche Teile des kruden Geschehens ernst gemeint und in ähnlicher Form passiert sein könnten, und wie viel von Thompsons Leben der Film effektiv beschreiben soll. Die Inszenierung wirkt zudem über weite Strecken wie ein Theaterstück und vermag keine rechte Eigendynamik aufzubauen. Dass man dem Film darüber hinaus auch technisch sein Alter deutlich anmerkt, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

All das ist allerdings nur bis zu einem gewissen Grad als Mängelrüge anzusehen. Schafft man es, sich an die Erzählweise und den eigenwilligen Tonfall zu gewöhnen, vermag der Film durchaus einen Eindruck seines Protagonisten zu vermitteln.

Somit ist WHERE THE BUFFALLO ROAM zumindest eine interessante Annäherung an einen Mann, dessen  Denken und Handeln schon Zeit seines Lebens vielen Menschen gänzlich unverständlich schienen. Eine Verbeugung vor einem rücksichtslosen Genie, die aber mehr filmhistorische Relevanz als echten Unterhaltungswert hat.


TM, 09.08.2010