Star Trek.

Das Interessante beim Lesen der Kritiken zum Quasi-Reboot des Star Trek Franchise war stets, herauszufinden, ab welchem Punkt man mit Bestimmtheit sagen konnte, ob der Rezensent ein Fan des Originals ist beziehungsweise war.

Ungeachtet davon, wie das Urteil letztlich ausfiel, von Objektivität – genauer gesagt der sich üblicherweise als solche ausgebenden, persönlichen Einstellung (ich nenne sie »Sobjektivität«) – konnte man in keinem Fall ausgehen. Also blieb einem nichts anderes übrig, als jedes Urteil mit der eigenen Prägung abzugleichen und die Wertung in angemessenem Umfang zu korrigieren.

Diese letztlich ermüdende Übung möchte ich anderen ersparen und greife deshalb rüde vor: Man kann mich keinesfalls als Trekkie bezeichnen, ein »Sympathisant« lasse ich aber widerspruchslos gelten. Immerhin bin ich sowohl mit der Classic Series aufgewachsen, als auch mit einem ehemaligen Trekkie verwandt (Hallo Oma!). Viel wichtiger für diese Kurzkritik ist aber jene Erkenntnis, die mir bis heute erhalten geblieben ist und auch dazu beitrug, dass ich nie einen emotionalen Bezug zur Crew der Next Generation aufbauen konnen: Es gibt kein besseres Trio in der Galaxis als Pille, Kirk und Spock. Und diese sind, daran führt nichts vorbei, auf ewig an die alten Darsteller gebunden. Punkt.

Abgesehen davon ist STAR TREK ein unterhaltsamer Blockbuster geworden, der jene Form von Popcorn-Unterhaltung bietet, die man sich von dieser Art Kino erhofft – und die andere Vertreter der Gattung aus irgend einem Grunde nur noch unter größten Mühen abliefern können. Das liegt daran, dass STAR TREK einerseits nicht die Intelligenz des Zuschauers beleidigt, sich andererseits aber auch nicht zu sehr auf die Fans einschießt, um das Normalpublikum zu verlieren. Der Kniff, mit dem die Geeks zum Verstummen gebracht werden sollen, ist zwar ebenso dreist wie plump, erfüllt aber seinen Zweck und ist als Thema bei dieser Serie absolut legitim.

Auffällig ist neben dem absurd lensflare-lastigen Prolog, der die Online-Parodien absolut berechtigt, wie gut sich Zachary Quinto als neuer Spock schlägt. Hier funktioniert das Casting weitaus besser als bei Karl Urban und Simon Pegg, die zwar keinen Anlass zur Kritik bieten, trotzdem aber noch ein paar Filme (und vor allen Dingen mehr Plotrelevanz und Sprechtext) brauchen werden, um sich zu etablieren. Chris Pine als Kirk ist in erster Linie eine Projektionsfläche fürs Jungpublikum, hätte demnach ebenfalls ein wenig mehr Profil vertragen.

Schlussendlich darf man jedoch nicht maulen, denn die alten Filme profitierten massiv vom Vermächtnis der Serie und boten selbst weitgehend bloß durchschnittliche Unterhaltung. Sogar das strukturelle Problem der letzten Filme hat es in den Reboot geschafft: Kaum ist die Geschichte richtig im Gang, ist der Film auch schon wieder vorbei. Hier wird es spannend, inwieweit die Fortsetzungen diese Herausforderung bewältigen können. Notfalls kommt man nicht drum herum, den Bösewicht entkommen zu lassen, der mit Eric Bana auch diesmal wieder klug besetzt war.

Ein Film, der nicht enttäuscht, aber auch nicht begeistert, mit Potenzial für solide Fortsetzungen. Auf mehr hat man nicht hoffen dürfen.


TM, 20.08.2010