Pandorum.

Gab es mal eine Zeit, in der Dennis Quaid NICHT für gesundes Mittelmaß stand? Lässt man seine Filmografie vorüber scrollen, findet man wenig, as dagegen spricht. Das “amerikanische Gesicht”, das wie nur wenige überzeugende Bodenständigkeit ausstrahlt und selbst in kruden Rollen stets sympathisch wirkt, fiel häufig durch Hauptrollen in schlechten und Nebenrollen in guten Filmen auf. Da finden sich Titel wie Dragonheart, G.I. JOE, Vantage Point, Any given Sunday, Frequency, Horsemen … und nun auch PANDORUM und LEGION. Und spätestens seit diesen beiden Filmen muss man sagen: Dennis Quaids Name auf dem Kinoplakat steht NICHT für gesundes Mittelmaß. Es steht für weniger. Letztgenannter Film verdient (und bekommt) seinen eigenen Verriss. Jetzt ist erst einmal PANDORUM an der Reihe.

Genug der Drohgebärden, zur Sache. Das Interessante an PANDORUM ist zunächst der Mann im Hintergrund. Regisseur Christian Alvert ist ein deutscher Jungregisseur, der mit PANDORUM, gemessen an seiner Erfahrung, ein durchaus solides Stück Arbeit abliefert. Im selben Jahr wie der durchaus passable Horrorthriller CASE 39 (kommt noch) übrigens, was schon fast die Frage aufwirft, mit wem er geschlafen bzw. was er eingeworfen hat, um nach dem 2004er ANITKÖRPER (hat den überhaupt irgendwer gesehen?) in einem Jahr 2 Filme mit namhaften Darstellern wie Dennis Quaid und Rene Zellweger drehen zu können.

Man müsste demnach schon respektvoll den Zylinder lüpfen, wäre da nicht das kleine Detail namens “Drehbuch”, an dem er ebenfalls beteiligt war. Ungeachtet der eloquenten Aussagen in den DVD-Interviews zeigt PANDORUM dort nämlich seine größten Schwächen. Das darf man nicht allein dem Regisseur ankreiden, doch als Mann, der alle Fäden in der Hand hält, steht man unweigerlich auch an vorderster Front, was die Kritik betrifft. Immerhin offenbaren die Interviewfetzen bereits deutlich, wo das Problem liegt: Im allzu großen Fokus aufs Detail, auf Kosten der Faktoren, die für den normalen Zuschauer relevant sind.

So wurde die Handlung zwar solide inszeniert, ist aber für sich genommen recht uninspiriert und leider in Schlüsselpunkten auch sehr vorhersehbar. Obwohl PANDORUM am reinen Unterhaltungsfaktor gemessen deutlich besser unterhält als CARGO, bleibt er ebenfalls hinter den Erwartungen, vor allem aber seinen eigenen Möglichkeiten, zurück. Die psychologische Komponente, die immerhin auch titelgebend war, wird angerissen, aber weder ausreichend thematisiert noch vernünftig ausgearbeitet. Das alles resultiert in einem Genremix, der weder funktionieren will, noch an seine offensichtlichen Vorbilder anzuknöpfen vermag.
Quaid gibt seiner Rolle eine gefühlte Credibility, und auch Ben Foster und Antje Traute hätten einen subtileren und vielschichtigeren Plot zu tragen verstanden. Das man ihnen nicht die Gelegenheit dazu gibt, sondern sie statt dessen durch eine zunehmend spannungsbefreite Monsterhatz jagt, die “offenbar als Mischung aus Event Horizon und The Descent geplant” war, ist bedauerlich. (Zitat: Moviegod.de)

Das klingt natürlich wieder einmal negativer, als man es auslegen muss. Prinzipiell haben wir hier einen “Johnny Mnemonic”. Einen Film, der nicht unbedingt so krass nervt, dass man ihn zwanghaft verreißen muss, der aber früher oder später von einem besseren Genrekonkurrenten überflüssig gemacht werden wird. In diesem Fall wahrscheinlich eher früher. Das Mittelmaß zeichnete sich übrigens schon vor dem damaligen Kinostart in verhaltenen Kritiken ab. In Kombination mit den teils erstaunlich positiven Publikumswertungen auf IMDB darf man dem Film wohl eine halbwegs gesunde Frührente im DVD-Markt prophezeien. Da gehört er hin, dort wird er gut aufgehoben sein.

Wer sich nach düsteren Gängen entvölkerter Raumschiffe sehnt, und Sehnsucht nach fiesen Weltraummonstern hat, kann PANDORUM neben dem Bügeln laufen lassen. Der Rest sollte den gesparten Geldbetrag besser an die NASA spenden. Und sei es nur, damit man Raumschiffe und Krisenmanagement konzipiert, die besser als das funktionieren, was uns Hollywood zeigt.


TM, 21.08.2010