Warum leiht man sich einen Film wie PARANORMAL ACTIVITY aus? Masochismus, okay. Aber darüber hinaus, bzw. davon abgesehen? Man will sich erschrecken. Gelingt es dem Film, dieses Bedürfnis zu befriedigen? Durchaus. Leider in mehrerlei Hinsicht.
Zum einen wäre da der Erzählstil. Wie viele niedrig budgetierte Genrefilme in den letzten Jahren setzt Regisseur und Drehbuchautor Oren Peli auf die aktuell abgegriffenste Technik, die man sich vorstellen kann: eine Kombination von Wackelkamera und dokumentarischer Erzählperspektive. In bester BLAIR WITCH PROJECT Manier soll dem Zuschauer suggeriert werden, dass die Geschehnisse wirklich in dieser Form passiert seien.
Blöd nur, dass sowohl die Darsteller samt Dialogen und Reaktionen, als auch die Art und Weise, wie mit dem Stil agiert wird, über weite Strecken vollkommen unglaubwürdig sind und künstlicher wirken als die Geschmacksrichtung von Bazooka Joe Kaugummi. Wo Filme wie CLOVERFIELD oder MANN BEISST HUND halbwegs klug und verspielt genug waren, die Möglichkeiten des Stilmittels auszuloten und Handlung sowie Charaktere diesem anzupassen, versucht PARANORMAL ACTIVITY, uns den Eindruck eines ganz normalen Pärchens zu vermitteln, dass die seltsamen Vorgänge im eigenen Haus festzuhalten versucht, und auch dann noch drauf hält, wenn das Grauen zur physischen Bedrohung wird. Von dem psychischen Knacks, den man haben muss, um sich bei offen stehender Zimmertür die ganze Nacht im Schlaf zu filmen, ganz zu schweigen.
Natürlich scheitert das Ganze noch an weiteren Faktoren, die aufzuzählen an dieser Stelle ermüdender wäre, als die ungeschnittene 30-Stunden-Fassung der angeblichen Aufzeichnungen zu sichten. Besonders schade und deshalb erwähnenswert ist noch, dass der Film selbst dieser Linie nicht treu zu bleiben vermag und einige Genre-Klischees auffährt, die einfach zu absurd sind, um auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit vor dem Erkalten zu bewahren. Das vollkommen verkorkste Ende will ich deshalb nicht einmal erwähnen.
Was man dem Film zu gute halten kann, sind im wesentlichen zwei Aspekte. Zum einen sind die Effekte durchaus gelungen, und finden sporadisch tatsächlich den Mittelweg zwischen Realismus und kinotauglicher Übernatürlichkeit, die der Film gerne in allen Belangen und über die komplette Laufzeit vermitteln würde. Zum anderen funktioniert der Spannungsaufbau in einer bestimmten, sich wiederholenden Einstellung sehr gut. Vorausgesetzt, man sitzt allein und übernächtigt in einem dunklen Zimmer, macht sich manchen Stellen durchaus eine gewisse Beklemmung breit. Hier greift dann auch die eingangs erwähnte Motivation: Wer sich gruseln möchte, bekommt tatsächlich die ein oder andere Steilvorlage vor den Latz geknallt.
Wem das ebenfalls genügt, der mag PARANORMAL ACTIVITY eventuell Betthupferl-Qualität zugestehen. Der ausgeschlafene Zuschauer hingegen bekommt bestenfalls einen guten Grund, sich ganz doll aufzuregen. Dann aber bitte auch daran denken, sich selbst zu filmen.