The Taking of Pelham 123.

Wer schon einmal einen Abend mit ziellosem Surfen verschwendet hat, kann sich diese Kritik eigentlich schenken, denn dann kennt man das Gefühl, dass ein Film wie PELHAM (wir kennen uns schon länger), dem Zuschauer gibt. Während er läuft (man beachte wie rücksichtsvoll an dieser Stelle auf eine U-Bahn-Metapher verzichtet wird), fühlt man sich gut unterhalten. Man hat vielleicht keine Ahnung, wo es hingehen soll, aber es passiert genug, um einen davon abzuhalten, darüber nachzudenken.

Das Problem bei solchen Abenden ist, dass man, so fesselnd die Stunden auch gewesen sein mögen, im Nachhinein keine echte Genugtuung verspürt. Auch kann man oftmals nicht mehr wirklich nachvollziehen, wie einen das, was anfangs interessierte, an den Punkt bringen konnte, an dem die Sinnlosigkeit des Ganzen unübersehbar wurde.

PELHAM ruft exakt solche Reaktionen beim Zuschauer hervor. Er ist solide inszeniert, nie wirklich öde, fährt am Rande ein paar Nebendarsteller auf, die man immer wieder gerne sieht, und hat zwar keine einprägsamen Prota- und Antagonisten parat, aber wenigstens zwei Darsteller gefunden, deren Präsenz den Zuschauer über erzählerisches Mittelmaß hinweg zu trösten vermag.  Er zitiert die Stilistik moderner Actionserien, meidet ein paar der schlimmsten Klischeefallen und führt den Zuschauer souverän durch den bodenständigen Entführungsplot an ein dramatisches Finale heran.

(Vorsicht, Spoiler fährt ein!)

Leider enthüllt der Film zum Ende auch seinen wahren Charakter. Die fulminante Auslöschung des Geldkonvois ist in ihrer Inszenierung schlichtweg absurd und entlockte mir tatsächlich einen Ausruf der Empörung. Darauf folgt dann ein irritierendes Ende, dass die Unterstellung herausfordert, kaum Bezug zu dem zu haben, was bislang geschah. So drängt sich der Verdacht auf, dass das Remake auch mit einem komplett anderen Plot auf exakt diese Weise hätte ändern können. Gemessen an erzählerischen Werten fast schon ein Supergau.

THE TAKING OF PELHAM 123 lässt keine Langeweile aufkommen, hält sich dabei aber für klüger und gehaltvoller, als er letztendlich ist, was der emotionalen Seite der Geschichte jegliche Chance auf Nachhaltigkeit verwehrt. An der Endstation (sorry) ausgestiegen muss man sich somit fragen, wieso man eigentlich so lange sitzen geblieben ist, und warum während der Fahrt (tut mir wirklich leid), keine Kontrolle erfolgt ist.

Ein Film, den man nicht ein-, aber eben auch nicht unbedingt abschaltet: PELHAM 123 ist routiniert und abgedroschen zugleich, Mitternachtskino für die Öffentlich-rechtlichen, die des 1974er Originals müde geworden sind.


TM, 24.08.2010