Men who stare at goats.

Solch eine schöne Idee, so viele verpasste Gelegenheiten. Kaum ein Film in letzter Zeit versprach einen vergleichbar hohen Unterhaltungswert, nur um dann derart zu enttäuschen. Bereits der Titel klang nach einer herrlich exzentrischen Komödie, womöglich im Stil eines BURN AFTER READING, in jedem Fall aber abseits dessen, was einem derzeit sonst so als Komödie verkauft wird. Als der erste Trailer auf die Massen losgelassen wurde, bestätigte sich dieser Eindruck und ließ Großes Ahnen: Schräges Thema, kruder Humor, tolle Bilder, große Darsteller. Was konnte da schon schief gehen?

Leider vermag der eigentliche Film weit weniger zu überzeugen. Die Trennung in die zwei parallel verlaufenden Handlungsstränge (Gegenwart / Vergangenheit) schadet letztlich beiden Ebenen, da keine davon echte Kraft aufzubauen vermag. Dies wirkt sich insbesondere auf die Stimmung aus, die erst nicht richtig in die Gänge kommen will, dann immer wieder Rückschläge erfährt und schließlich, beim großen Finale, zu wenig etabliert ist um den Zuschauer in den gezeigten Taumel einzusaugen. Selbst das – im Rahmen einer solchen Handlung legitime – Voiceover von Ewan McGregor bleibt somit als eher störendes Element präsent und vergrößert noch die Distanz, die man gegenüber Figuren und Geschehen verspürt. Auch das Ende, dass mit ausuferndem Schlusskommentar noch eine Positionsbestimmung versucht, verpufft wirkungslos, da die Figur, der es sich widmet, nie ein echtes Profil bekommen hat. Auch hinsichtlich dieses Details sei noch einmal eingangs erwähnter Coen-Film aufgeführt, dem es auf kongeniale Weise gelang, sein buntes Treiben mit einem erzählerischen Rahmen zu versehen und dieses abschliessend souverän zu beenden.

MEN WHO STARE AT GOATS hat zweifelsohne einige gelungene Ideen, nette Gags und zitierfähige Sprüche parat, doch gerade die Präsenz von Altmeister Jeff Bridges erinnert schmerzlich daran, um wie viel schöner schräge Geschichten sein können, wenn Drehbuch und Regie gut Hand in Hand arbeiten. Wenn Bridges, wie auch im Trailer zu sehen, von einem Hausdach springt , dabei die bereit gestellten Matten verfehlt und sich daraufhin in bester Lebowski-Manier stöhnend auf dem Boden wälzt, ist das auf skurrile Weise viel sympathischer als der Großteil der Gags, die von den beiden Hauptdarstellern transportiert werden. Und genau darin liegt das Problem eines Films, dessen Macher offenbar viel zu konservativ waren, um eine derart subversive Geschichte zu erzählen.

So unfair und anmaßend es auch klingen mag: Als Coen-Film wäre MEN WHO STARE AT GOATS eine Offenbarung gewesen. In den Händen eines verhältnismäßig unerfahrenen Regisseurs wie Grant Heslov verfehlt der Film sein Potenzial um Welten.


TM, 29.08.2010