Green Zone.

Die Marketingabteilung von GREEN ZONE, der mit der Tagline »Chief Warrant Officer Roy Miller is done following orders« beworben wurde, hat dem politisch informierten Kinogänger einiges erspart. Hätte man den so bepriesenen Film als das verkauft, was er tatsächlich ist – ein grundsolider Actionthriller mit einer moralisch differenzierten, leicht politischen Note – hätte man schwer leugnen können, dass er den Themen, die er anschneidet, nicht gerecht wird. Erwartet man hingegen einen reinen Actionfilm, darf man sich darüber freuen, dass die Sensibilität nicht gänzlich dem Krawall zum Opfer fiel.

In erster Linie hängt es also mal wieder von der Warte der Erwartungshaltung ab, von der aus man den Film betrachtet. So sollte man sich die Frage stellen, ob jeder Film, durchaus auch jeder Kriegsfilm, der in einem aktuellen Krisengebiet spielt, in der Pflicht steht, sich auf angemessenem Niveau und mit erforderlichem Tiefgang mit den politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten des Konflikts zu beschäftigen. Des weiteren darf man fragen, ob das Ziel eines Films, der sich an die Masse richtet, nicht besser darin gewählt wäre, im Kleinen zu versuchen, woran er im Großen zwangsläufig scheitern muss.

Anders formuliert: Ein Film mit noch so ehrenwertem Anliegen erreicht kein großes Publikum, wenn er langweilt. Film hat auch, wenn man Herrn Bleibtreu zitieren möchte, nicht unbedingt einen Bildungsauftrag. Das würde ich so nicht 100% unterschreiben, man kann aber argumentieren, in welchem Ausmaß dieser Anspruch abverlangt werden darf. So muss ein erfolgsorientiert produzierter Film, der in erster Linie unterhalten will, nicht unterrichtstauglich sein. Man kann ihn aber loben, wenn er berücksichtigt, dass die Dinge nicht so einfach liegen, wie er es sich zwangsläufig machen muss. Auch THE HURT LOCKER, der immerhin und verdient den Oscar einheimste, ließ nur ganz am Rande durchscheinen, dass auch ein Höllentor in beide Richtungen schwingt.

Was GREEN ZONE erreicht, ist genau dies: Es ist zu 90% ein spannend gedrehter, packender Kriegsthriller mit einem gut aufgelegten Matt Damon, der sich angenehm in seine Rolle als ein Chief Warrant Officer der amerikanischen Streitkräfte fügt. Auf diese Weise wirkt er sogar etwas weniger verkrampft als in der Rolle als Jason Bourne. Als amerikanischer Saubermann passt er gut in eine Geschichte, die im Wesentlichen davon handelt, dass es in einem solchen Krieg keine Prinzipien gibt, sondern nur Interessen, keine Schuldigen, sondern nur Parteien, denen nur am Erhalt bestehender Machtverhältnisse gelegen ist, seien es persönliche, politische oder gesellschaftliche.

Auch meint man zu merken, wie viel Wert auf eine akkurate Darstellung militärischen Vorgehens bei Sondereinsätzen gelegt wurde. Dieser gefühlte Realismus ist es, von dem THE GREEN ZONE profitiert, und der zusammen mit den politischen Aspekten der Handlung ein durchaus homogenes Bild abgibt. Regisseur Paul Greengrass bleibt also auch diesmal bei dem, was er kennt, das kann er gut.

Und daran gibt es nicht viel auszusetzen.


TM, 31.08.2010