Als ich vorgestern beim Frühstück mit einem sehr klugen Menschen über Filme redete, bekam ich endlich die Bestätigung dafür, was ich schon lange vermutet habe. Es ist nicht nachvollziehbar, warum in diesem Weblog ständig Rezensionen offensichtlich mieser Filme auftauchen, die sich dann auch entsprechend aufgebracht lesen, wo doch von vorneherein klar gewesen sein muss, was mich als Zuschauer erwartet.
Normalerweise ist die Antwort darauf, warum ich mich wider besseren Wissens solchen Machwerken aussetze, etwas komplizierter. Im Falle von LEGION, der bereits und zu Recht von vielen Seiten eine gescheuert bekam, ist die Antwort hingegen ganz einfach: Paul Bettany. Der bald 40-jährige Brite hat sich nicht nur verdammt gut gehalten, sein durchdringender Blick hat mehr als nur einen Film visuell aufgewertet, allen voran den eher enttäuschenden GANGSTER No1, den er mit seiner persönlichen Tour de Force vor dem absoluten Aus rettete. So auch meine Hoffnung für LEGION.
Blöd nur, dass Bettany tatsächlich der bzw. das Einzige ist, was sich an LEGION länger als eine Minute ertragen lässt, ohne zähneknirschend und mit geneigtem Haupt in die Knie zu sinken. Das passt dann zwar von der Geste her gut zu dem religiös-martialischen Apokalypsenkompott, der einem präsentiert wird, den Herrn im Himmel eines Actionfilmes wegen um Erlösung zu bitten, ist aber eher traurig und wenig erfolgversprechend. Also bleibt einem nicht mehr, als fassungslos zu beobachten, wie sich der kleine, technisch passable Streifen mit jeder Dialogzeile tiefer in die Scheiße reitet.
Anstelle einer Kritik, die in diesem Falle ohnehin auf eine Protokoll des Geschehens hinauslaufen würde, biete ich diesmal eine Liste, der Fragen, die sich beim Ansehen von LEGION unweigerlich aufdrängten, in fast chronologischer Reihenfolge:
01. Wer um alles in der Welt hat diese Dialoge geschrieben?
02. Soll ich irgend eine dieser Figuren mögen oder auch nur vage interessant finden?
03. Bekommt man für solch eine Story eigentlich Unterstützung aus Kirchenfonds?
04. Wer kam eigentlich auf die Idee, dass Aggro-Omas lustig sind?
05. Sind die Drehbuchautoren die selben wie bei MADAGASCAR 2?
06. Wer zum Teufel hat diese Dialoge verbrochen? Und wo wohnt der?
07. Das Diner heißt »Paradise Falls«? Ernsthaft?
08. Oh Gott, die fangen ja erst AN, zu erzählen.
09. Ich bin sicher, der Film wäre cooler, wenn ein T-Rex auftauchen würde.
10. Hören die auch mal wieder auf, Unsinn zu reden?
11. Offensichtlich nicht.
12. Darf ich mich trotz der Prämisse ärgern, was für ein verklärt-religiöser Mist das ist?
13. Mittlerweile würde ich mich sogar mit einem Velociraptor zufrieden geben.
14. Oder einer Kröte.
15. Mehr ballern, weniger faseln, Leute.
16. Ach komm.
17. Gott sei Dank. Vorbei.
Für jene, die es noch nicht gemerkt haben: LEGION leidet am meisten unter seinen Dialogen, die sich bis auf wenige Sprüche von Dennis Quaid ausschließlich und absolut unrealistisch anfühlen. Dem Drehbuch gelingt es nicht, die offensichtliche Exposition, die jedem Charakter zuteil wird, zu kaschieren, was darin resultiert, dass man ununterbrochen den Drehbuchautor heraus hört. Das geht soweit, dass man sich statt dessen die idiotischen One-Liner herbeiwünscht, die andere Actionfilme auszeichnen und natürlich auch hier nicht fehlen. Es klingt banal, zu sagen, dass es unglaubwürdig wirkt, wann und auf welche Weise die Figuren ihr Innenleben offenbahren. Das die Worte, die sie wählen, und die Einsichten, die sie äußern, so in dieser Form nicht glaubwürdig sind. Aber genau dieser Faktor ist es, der den Film selbst unter Trash-Aspekten schwer verdaulich macht.
Man kann somit nur jedem raten, die Finger von LEGION zu lassen. Wer nicht auf die Atmosphäre verzichten will, sollte sich statt dessen mit einer Bettany-Autogrammkarte in die nächstbeste Kirche setzen.